Bernhard Hurm und Uwe Zellmer, Theaterköpfe vom Melchinger Lindenhof, gaben am Samstagabend die schwäbelnden und Viertele schlotzenden Protagonisten von Ausgabe drei der „Lesegärten in Bodelshausen“.
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Bodelshausen. Sorgsam getrimmte Rasenflächen, weiß erstrahlendes Gartenmobiliar, schnieke Teichanlagen mit Seerosenarrangements und routiniert plätschernden Wasserfontänen. Plus: imposanter Firmenprachtbau mit viel Glas und Stil und Höhenluft. Höchst gediegen, all das, und exklusiv. Dazu passt: Bertolt Brecht. Doch.
Dem sommernächtlich-andächtig lauschenden Publikum verlasen Hurm und Zellmer dessen Verse vom „blauen Mond September“, von Pflaumenbäumen und flüchtiger Liebe. Hört man gern in luftigen Dämmerstunden wie diesen.
Die Lesegärten-Reihe war Bodelshausens Beitrag zum landesweiten Projekt „Literatursommer 2012“. Motto im Jubiläumsjahr: „60 Jahre Literatur in und aus Baden-Württemberg“. So war, was die Melchinger Mimen im schönen Firmenpark-Flair aufsagten, Gereimtes von den großen Dichtern und Literaten des Ländles.
„Halt!“, mokieren Sie jetzt mit Recht, „Brecht als gebürtiger Augsburger war doch ein bayrischer Schwabe.“ Gezeugt aber, „sagat d‘Leit“ und Uwe Zellmer, sei er in Pfullingen geworden. Gilt also auch.
Raben-Krähen, Grillen-Gezirp und vorsichtiges Frosch-Quaken waren akustisches Schmuckwerk der gut zweistündigen abendlichen Terrassen-Dramaturgie. Rund 70 Parkbesucher lachten viel und laut und applaudierten häufig ob des rezitierenden und sinnierenden Duos vom Alb-Theater. Und lernten. Interkulturelle Kommunikation beispielsweise. Geschmeidig auf ein Bein gestellt, das andere darüber geschlagen, beisammen geführt die Hände, fertig ist die Tai-Chi-Pose. Jetzt noch konsequent Konsonanten austauschen, schon zündet Mörikes „Septembelmolgen“ auch auf den Bühnen Chinas – so demonstriert von Bernhard Hurm. Als gewiefter Übersetzer, der weit gereiste Schwabe weiß das, schlägt man sich ohnehin weltweit durch: „I know how the rabbit runs.“ Zwischendurch: kleine lokalpatriotische Seitenhiebe. Wie jener: „Liabr a Ratt em Bett wia an Salmadengr em Hausgang.“
Hurm und Zellmer ließen im erlauchten Dichterreigen aus dem Südwesten auch den Alemannen Robert Walser mitmachen und ihn vom Sommer reimen, ließen Uhland romantisieren, Sebastian Blau mittels „Hardcore-Schwäbisch“ davon erzählen, „wia’s herbschdalet“, Mörike und Härtling und Schwab je „a Hommäschle“ über die Schwäbische Alb verlauten.
Der Ober-Schwabe, Mundartkrösus und „Leib- und Magadichdr“ der beiden Akteure, Thaddäus Troll, fand in Form eines Exkurses über die Diversität hiesiger Ortsbestimmungen (nondr, rondr, hieba, dieba, drondr, driebr, nufzuas, nazuas) freilich auch Beachtung. Schiller sparte man aus taktischen Gründen bis zum Schluss auf (Hurm: „Mei Vadr hot emmr gsagt, mr ko d‘Leit au mit Gwalt he macha.“).
Und Uwe Zellmer philosohierte („Paulus schrieb an die Korinther, erst kommt der Sommer, dann der Winter“), gab Gegenwartsliteratur über Loch Ness’ Ungeheuer zum Besten, machte mit einigen Zeilen über Melchingen, den „seltsamsten Theaterort“, neugierig auf sein eigenes, diese Woche erscheinendes Werk: „Himmelsberg, Engelswies“.Kathrin Löffler
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