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Nach Hundeverbot

Im Bodelshäuser Schützenhaus herrscht dicke Luft

Der Vorstand des Bodelshäuser Schützenvereins will den Pächter seines Schützenhauses entlassen, weil dieser ein Hundeverbots-Schild an der Eingangstür anbrachte.

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susanne mutschler

Bodelshausen. Seit rund einer Woche hat das Ehepaar Anastasios Sitas und Nicoletta Delikiriakou die Kündigung seines Pachtvertrages auf dem Tisch liegen. Ende Oktober endet ihre Probezeit. „Die Wirtschaft war voll“, erzählt der 34-jährige Sitas, er habe sogar Aufträge für große Hochzeitsfeiern gehabt, die er jetzt absagen müsse.

Den einzigen Anlass für Konflikte habe der Hund des ehemaligen Vorsitzenden Eberhard Kurz geboten, vermutet Sitas. Die Gäste hätten sich bei ihm über das Tier beschwert, das ihrer Meinung nach nicht in das Vereinslokal gehöre. Diese Auseinandersetzung rumore latent schon seit Jahren, erklärt Vereinsmitglied Erwin Petschauer. Die Ressentiments zwischen Vorstand und Stammgästen seien allerdings viel älter als ein Hundeleben und hätten lange vor der Probezeit der griechischen Pächterpaares begonnen. Doch Sitas und Delikiriakou kommt es so vor, als würden sie entlassen, „weil wir den Hund nicht akzeptiert haben“.

Von Anfang an, als sie das Lokal vor knapp sechs Monaten übernahmen, betrachteten sie den großen, grauen Hund von Eberhard Kurz mit Argwohn. „Wir mögen keine Tiere“, habe der Schwiegervater von Sitas, Jorgos Delikiriakos, geäußert, erinnert sich Schützenvereins-Vorsitzender Michael Gehring. Delikiriakos betrieb früher in Tübingen die Taverne „Dreikönig“. In Bodelshausen unterstützte er Tochter und Schwiegersohn in der Küche.

Die ablehnende Haltung der neuen Pächter gegenüber Hunden gab alten Vorbehalten im Vereinslokal neuen Auftrieb. Hunde sollten „aus hygienischen Gründen“ draußen bleiben, forderten 29 Stammgäste schriftlich. „Wir wollen, dass diese Wirtsleute bleiben“, drohten sie, und „wenn der Hund bleibt, kommen wir nicht mehr“. Als Sitas vor einigen Wochen ein Hundeverbots-Schild am Eingang anbrachte, war die Stimmung zwischen Vorstand und Gaststättenbelegschaft auf dem Nullpunkt. „Die haben mich herunterlaufen lassen wie einen Schulerbuben“, beschreibt Eberhard Kurz einen „Eklat“ mit Stammgästen und den Wirtsleuten, als er – ohne Hund – im Lokal auftauchte.

30 Jahre lang sei er Vorsitzender gewesen, erzählt er. In seiner Ära seien das Haus und die Halle gebaut worden. Das Lokal im Vereinsheim sei seine zweite Heimat. „Es war immer eine tieroffene Wirtschaft“, sagt er. Hunde seien immer willkommen gewesen. Das „Schützenhaus“ sei eine Vereinsgaststätte und kein Gourmetrestaurant, ergänzt Gehring. Jeden Sonntagabend brachte Kurz seinen irischen Wolfshund mit, „ein ganz Lieber ohne jede Aggression“, wie er findet. Die zottige Rasse gilt als familienfreundlich, zugleich aber als größte Hunderasse der Welt.

Jorgos Delikiriakos misst auf dem Boden mit Schritten die beachtliche Länge ab, die Kurz’ Hund im Liegen einnimmt. „Das ist kein Hund, das ist ein Esel“, sagt er. Seine Tochter gruselte sich vor den Gerüchen des Tieres und den Hundehaaren auf dem Boden. Sitas fürchtete, dass der Wirtschaftskontrolldienst den hygienischen Zustand der Taverne beanstanden könnte. Es sei aber bei den routinemäßigen Kontrollen „kein einziges Hundehaar“ gefunden worden, weiß Vorsitzender Gehring.

Er bedauert, dass die Auseinandersetzung inzwischen so emotional geworden sei, dass Vorwürfe unter die Gürtellinie zielten. Einzelne Gäste hätten eine „Hetzkampagne“ losgetreten, die ihm bereits einen Anruf der „Bild“-Zeitung eingebracht hätte. Da ein Pachtvertrag innerhalb der Probezeit ohne Angabe von Gründen aufgelöst werden kann, enthalte er sich weiterer Erklärungen.

Ausgelöst durch unsere Recherche haben die Beteiligten Anwälte eingeschaltet. Derzeit wird über einen Vergleich verhandelt. Genaueres ist noch nicht bekannt. Wir werden weiter darüber berichten.

27.10.2011 - 08:30 Uhr

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