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Butzis baten zum Tanz

66 Gruppen marschierten beim Jubiläumsumzug der Bodelshäuser Narren mit

Seit 35 Jahren gibt es die Narrenzunft Butzi Bodelshausen – Anlass genug, am Samstag zum ersten Mal einen richtig großen Umzug durch den Ort auf die Beine zu stellen.

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Kathrin Löffler

Bodelshausen. Ein dreifaches „Wolfs – hui!“, „Moscht – Weible!“, „Stoa – Grättle!“, „Lompa – Seggl!“, „Remmi – Demmi!“ oder einfach „Narri – Narro!“: Die Bodelshäuser hatten am Samstagnachmittag einiges zu Brüllen. Stolze 66 Narrenzünfte mit insgesamt 3000 Hästrägern marschierten, fegten und hüpften durch die Lindenstraße über die Bahnhofstraße zum Burghof. Mehr als erwartet. Und freilich wollte eine jede mit dem ihr eigenen Narrenruf begrüßt werden.

Zum elfjährigen Bestehen haben die Butzis einen kleinen Umzug organisiert. Jener anlässlich des 35. Geburtstags am vergangenen Wochenende war jedoch „der erste richtige“, so Zunftmeisterin Sonja Oesterle, und die bislang größte Veranstaltung der Vereinsgeschichte. Wie viele Zusagen von anderen Narrengruppen eingehen würden, war deshalb nicht abzusehen. Oesterle: „Unser Ziel war: Wir wollten 40 Gruppen schaffen.“ 66 sind es geworden. Dadurch, dass es sich bei den Butzis um einen kleinen Verein handele – er hat rund 50 Mitglieder – sei es ein sehr nervenaufreibendes Jahr gewesen, man habe aber viel Unterstützung von der Gemeinde erhalten.

Die Butzenweiber

stellen Waschfrauen dar

Alt-Bürgermeister Bernd-Dieter Esslinger und Bürgermeister Uwe Ganzenmüller als eine Art Steinzeitmensch leisteten der moderierenden Zunftmeisterin und Ehrenzunftmeister Wolf-Dieter Kopp auf dem Sprecherwagen Gesellschaft. Der Schützenverein machte um 14.01 Uhr lautstark mit Böllerschüssen auf den Beginn des Umzugs aufmerksam, Musikverein, Fischereiverein, TSG und VfB beteiligten sich ebenfalls helfend, beim Kleintierzuchtverein „Zum wilden Rammler“ verköstigte sich das närrische Volk mit Schwaben-Tequila.

Obwohl die samstägliche graue Nieselregensuppe nicht so recht zu einem Umzugsunternehmen passen wollte, säumten die Bodelshäuser ihre Gassen. Die Zunftmeiserin drückte sich so aus: „Es ist der Hammer, wieviele Leute da stehen!“ Zumal es im evangelischen Bodelshausen schwierig sei, den zu erwartenden Menschenandrang einzuschätzen. Die Fasnet sei hier nicht so bekannt. Zuvorderst der sich durch den Flecken wogenden Narrenschlange gingen die einheimischen Butzis mit ihrem Schuppenkleid und ihre Pendants, die Butzenweiber, die Waschfrauen darstellen. Letztere gibt es seit 2002 – ein doppeltes Jubiläum für die hiesige Narrenzunft also.

Was folgte, waren fast drei Stunden mit Schellenrasseln, sagenumwobenen Gestalten, Rauchschwaden und Krach, Gestank, scheppernden Guggenmusikklängen, wüsten Masken, finsteren Figuren. Es qualmte und rasselte, knallte und regnete Konfetti, Bonbons flogen in die Menge, Hexenhorden kraxelten auf- und übereinander, türmten sich zu Pyramiden und fläzten sich auf den Dachfirsten ihrer fahrenden Umzugswägen.

Die Siebentäler Katzenbachgeister, eine freie Narrengruppe aus Rottenburg mit tiefblauen Masken, liefen mit, ebenso die Wölfe aus Sickenhausen. Deren Häs erklärt sich aus einer Sage, wonach die Dorfbewohner Gestalten im Nebel sahen und diese für Wölfe hielten – tatsächlich handelte es sich um dampfende Misthäufen. Der Brezeles-Bua aus Hechingen verteilte seinem Namen gerecht werdend Backwaren ans Publikum. Die Nachbarn vom Original Steinlachtaler Fasnachts-Verein Mössingen waren dabei, die Nehrener Rammertwölfe, Gomaringer Wiesaz-Lomba und Schlosshexen sowie die Narrenzunft Ofterdingen. Viele Narren aus Tübingen waren angereist: Steinis etwa, Georgsdeiffel, Schlossochsen, die Hudelgai Bätscher aus Hechingen, der Trochtelfinger Narrenverein. Und vor allem: sehr viele Hexen.

Hexen, immer wieder Hexen – und Gekreisch

Mit krummen Hakennasen, schwarzen Masken, gelben Kopftüchern oder weißen Zottelmähnen zogen sie Feuerkessel hinter sich her, räucherten das Publikum ein, brachten Mädels zum Kreischen, ritten auf ihren Reisigbesen. Käpfle-Hexa aus Hemmendorf, Leonberger Waldhexen, Binsenhexen aus Balingen. Wagen mit Tierschädeln rollten durch die Straßen, das Publikum ließ jaulend Einseifattacken mit Stroh über sich ergehen, wippte mit zu „Sag mir quando, sag mir wann“.

Ziel des Zugs war das „Narrendorf“: In einer kleinen Zeltstadt im Burghof trafen sich die Narren zu Steak und roter Wurst, Schupfnudeln, Hochprozentigem und Partymusik. Und Bodelshausen war von seinem ersten großen Umzug gezeichnet: Eine Stroh- und Konfettispur durchzog die Straßen.

22.01.2012 - 17:00 Uhr | geändert: 22.01.2012 - 17:13 Uhr

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