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Um hundert Meter

Wiesweg entzweit zwei Nachbardörfer

Wer von Unterjesingen mit dem Auto ins Nachbardorf Pfäffingen will, hat zwei Möglichkeiten: Der offizielle Weg führt über die B 28 bis zum Pfäffinger Bahnübergang und weiter auf der Langen Gasse ins Dorf. Schneller geht‘s freilich auf dem Wiesweg, der am südlichen Unterjesinger Ortseingang am Sportplatz vorbei direkt in den Pfäffinger Ortskern führt. Dieser direkte Weg ist freilich verboten. Die etwas mehr als hundert Meter des Sträßchens zwischen dem Unterjesinger Sportplatz und dem Pfäffinger Ortsschild sind nur für den landwirtschaftlichen Verkehr freigegeben.

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Vermutlich wäre das Sträßle längst ausgebaut und zur offiziellen Verbindung erklärt, wäre es nicht so, dass die engen Nachbarn zu unterschiedlichen Kommunen gehören: Unterjesingen zur Uni-Stadt Tübingen und Pfäffingen zu Ammerbuch.

Ist das jetzt ein gut getarntes landwirtschaftliches Nutzfahrzeug oder handelt es sich um die ... Ist das jetzt ein gut getarntes landwirtschaftliches Nutzfahrzeug oder handelt es sich um die illegale Nutzung des Schleichwegs zwischen Unterjesingen und Pfäffingen? Bild: Metz

So aber gibt der Ausweichverkehr immer wieder Anlass zu Ärger. Ärger, vor allem seitens der Unterjesinger. Wie am Montag im TAGBLATT berichtet, stänkerte Unterjesingens Ortsvorsteher Michael Rak erst beim Neujahrempfang wieder gen Ammerbuch. Als in Pfäffingen die einzige offizielle Ortszufahrt, die Lange Gasse, von Grund auf saniert wurde, war den Unterjesingern nichts anderes übrig geblieben, als die Umleitung zumindest für Lkw auf dem Wiesweg zu dulden. Für Pkw aber blieb die Direttissima dicht. Erst nach ein paar Monaten ließen sich die Unterjesinger Kommunalpolitiker dazu erweichen, Autofahrern wenigstens die Abkürzung von der Tankstelle über den Oberen Marktweg auf den Wiesweg zu gestatten.

„Schweren Herzens“, so Rak, habe der Ortschaftsrat zugestimmt, dass der Verkehr auf Unterjesingens Feldwege ausweicht. Umso lauter beklagte er vor 100 Gästen und dem TAGBLATT-Reporter, dass die Umleitung länger gedauert habe als verabredet, die Schäden schlimmer gewesen und der Ärger größer als bei ähnlichen früheren Umleitungen. Schließlich forderte Rak mehr Verkehrsüberwachung von Ammerbucher Seite und drohte dann auch noch mit einer kompletten Sperrung des Wieswegs in Richtung Pfäffingen. Kurz, Rak gab sich mächtig sauer.

Kopfschüttelnd bis amüsiert ist dagegen die Reaktion im Ammerbucher Rathaus. Zumal Ammerbuchs Ortsbaumeister Hans Prospero den Unterjesinger Ortsvorsteher erst vergangene Woche bei einer Abwasserzweckverbands-Sitzung getroffen hatte und ihm Michael Rak da noch „ganz zufrieden schien“ mit den Absprachen bezüglich des Wieswegs und der anderen Umleitungsstrecke.

Man habe sich darauf geeinigt, dass die Gemeinde Ammerbuch das lädierte Bankett entlang des Oberen Marktwegs richten werde. „Ein paar Arbeitsstunden und ein bisschen Material“, so schätzt Prospero, werden genügen, um den Seitenstreifen wieder aufzuschottern und zu walzen. Rund 1000 Euro rechnet der Ortsbaumeister für die Reparatur, die im Übrigen eine Selbstverständlichkeit sei. „Das gehört sich so“, findet Prospero: „Wenn man etwas benutzt und es Verschleiß gibt, muss man das wieder aufarbeiten.“

Und was ist mit dem Wiesweg? Auch da sei man sich einig, sagt Prospero. Erst kürzlich habe es mit dem Tübinger Tiefbauamt dort eine Begehung gegeben. Dass auf dem Sträßchen, das die Stadt Tübingen vor nicht langer Zeit auf ihrer Gemarkung ausgebessert habe, schon wieder große Schlaglöcher klaffen, hat Prospero zwar bemerkt. Dafür könne die Gemeinde Ammerbuch aber nichts.

Vollends unverständlich findet Prospero Raks Aufforderung zu mehr Verkehrskontrollen. Als Gemeinde dürfe man gar keine Autofahrer anhalten und nach dem Woher und Wohin befragen, allenfalls blitzen könnte man die Nutzer des Schleichweges. Aber woher soll denn der Ammerbucher Ordnungsdienst wissen, wer auf dem Sträßle zu seinem Acker oder dem Unterjesinger Pferdehof – und damit erlaubterweise – fahre. Und überhaupt gehöre „das meiste vom Wiesweg den Tübingern“. Ammerbuchs ordnungsdienstlicher Arm reiche nur „bis zum Funkmast“.

Was den betrifft, haben die Pfäffinger bei den Unterjesingern eigentlich eh noch was gut. So lange ist es schließlich auch noch nicht her, dass Unterjesingens Ortschaftsrat, den ungeliebten Masten den Pfäffingern direkt vor die Nase gesetzt hat. Direkt am Wiesweg, ein paar Meter vom Pfäffinger Ortsschild entfernt.

Was also hinter Raks zur Schau gestelltem Ärger wirklich steckt, lässt sich nur vermuten: Unterjesingens Ortsvorsteher wolle wohl „Druck machen für seinen Tunnel“, tippt Hans Prospero. Möglich. Schließlich zählt da jedes Auto, das auf der B 28 durch den Ort fährt als Argument.

Von Ammerbucher Seite will man auf Raks Sticheleien offiziell jedenfalls nicht reagieren. „Entweder“, so sagt der Ortsbaumeister Prospero, „man schafft miteinander, oder man will Krieg, an Krieg habe ich kein Interesse.“

Man darf also gespannt sein, wie es im Straßenkampf zwischen Unterjesingen und Pfäffingen weiter geht. Das nächste Scharmützel könnte schon im Frühjahr anstehen. Dann sind die Pfäffinger noch einmal auf den Unterjesinger guten Willen angewiesen, wenn die Lange Gasse ihren Endbelag bekommt und dafür erneut zwei Tage lang gesperrt bleibt.Uschi Hahn

25.01.2013 - 08:30 Uhr

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