Entringen. Der Abrissbagger steht schon bereit. In den kommenden Tagen wird das Haus Bahnhofstraße 4 in Entringen ebenso dem Erdboden gleich gemacht wie die dazugehörige Scheune und eine weitere hinter dem Volksbankgebäude. Wie bereits berichtet, will das Bankinstitut mit Sitz in der Herrenberger Straße 1 auf dem Areal einen zweigeteilten Anbau erreichten.
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Auf über 300 Quadratmetern sollen Beratungsräume und ein großer Saal für Veranstaltungen und Schulungen entstehen. Und alles unter begrünten Flachdächern.
Der Abriss für die Gebäude ist schon längst genehmigt. Am Montagabend billigte Ammerbuchs Technischer Gemeinderats-Ausschuss nun auch das Baugesuch der Genossenschaftsbank. Allerdings mit etwas Bauchweh. Wovon eine Gegenstimme und eine Enthaltung zeugen.
Zumindest Rudi Flaisch störte sich an den geplanten Flachdächern. Er habe Bedenken, so der CDU-Rat, ob die „Flachdachgeschichte gestalterisch so optimal ist“. Die Bedenken teilt Ammerbuchs Bürgermeister Friedrich von Ow nicht. Ein Flachdach in diesem Bereich lockere die Umgebungsbebauung auf, sagte er mit Blick auf die Quergiebel und Gauben des bestehenden Volksbankgebäudes in der Herrenberger Straße und des Gebäudes Bahnhofstraße 6.
Wie sein Ratskollege Flaisch von der CDU stört sich auch der BWV-Rat und ehemalige Entringer Ortsvorsteher Reinhold Bauer an der modernen Dachform, die ihn an eine „Flachdachgarage“ erinnert, „nur etwas größer“. Viel schwerwiegender findet er allerdings, „dass dadurch ein weiteres Haus aus dem Mittelalter geopfert wird“, wie er sagte. Mindestens 500 bis 600 Jahre alt sei das Gebäude.
Bauer hat persönliche Bezüge zu dem Haus in der Bahnhofstraße 4. Seine Großmutter ist dort geboren, sein Großvater betrieb in dem Haus eine Schmiedewerkstatt. Erst kürzlich war Bauer noch einmal in dem äußerlich unscheinbaren Gebäude, dessen Fachwerkgiebel schon lange hinter Putz verschwunden ist. Noch heute zeugen die Rußspuren am Gebälk davon, dass früher offenes Feuer in Häusern üblich war und kein Schornstein den Rauch ableitete. „Der Ruß“, so Bauer, „hat die Balken gegen Ungeziefer versiegelt.“
Unter Denkmalschutz steht das haus allerdings nicht. Davon hat sich die Volksbank überzeugt, wie deren Vorstandsmitglied Günther Gamerdinger dem TAGBLATT gegenüber sagte. Nach dem jetzt anstehenden Abriss rechnet Gamerdinger mit einem Baubeginn im kommenden März oder April. Vorausgesetzt die Genehmigung des Landratsamtes liegt vor. Im November kommenden Jahres sollen die Volksbankmitarbeiter aus dem Bestandsgebäude provisorisch in den Anbau umziehen, damit das Hauptgebäude saniert werden kann. Im Mai 2014 dürfte dann alles fertig sein, sagt Gamerdinger über das Projekt, in das die Bank etwa 2,5 Millionen Euro investiert.
Von dem alten Ensemble geht aber nicht alles verloren. Die Mitglieder des Fördervereins, der die mittelalterliche Entringer Zehntscheuer saniert und zum Kulturzentrum ausbaut, hat sich bereits Dachziegel und Steinplatten der zwei Abbruchscheunen gesichert. Bezahlen muss der Zehntscheuerverein dafür nichts. Das historische Baumaterial ist sozusagen eine Spende der Volksbank . Bankvorstand Gamerdinger findet es „schön, dass das wiederverwertet werden kann“. uha / Bild: Metz
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