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Gemälde, Geläut und Gags

Jahresausstellung der Ammerbucher Künstler lockte in die Kelter

Skulpturen, Malerei, Fotos – wer über blanke Wände im Eigenheim klagt, konnte bei der Jahresausstellung der Künstlervereinigung Ammerbuch fündig werden. Von Freitag bis Sonntag zeigten in der Entringer Kelter 17 Künstler ausgewählte Werke.

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Fabian Ziehe

Entringen. Mini-Bild mit Mini-Gag: Ein Druck auf den Knopf, der an einem gezeichneten Biker auf blauem Chopper angebracht ist, und ein Motor heult auf. „Yeah, Easy Rider!“, mag sich mancher der hundert Besucher in der Kelter gedacht haben. Laudator Prof. Helge Bathelt, Leiter der Herrenberger Volkshochschule, bekannte sich als Fan des Augenzwinkerns in der Kunst, wie sie ihm das Werk von Hans Anthon Wagner bot: Das sei ein Grund, warum ihm die Jahresausstellung so gefalle.

Eine Uhr nach Vorlage einer Star-Architektin: Horst Roll erklärte bei der Jahresausstellung der ... Eine Uhr nach Vorlage einer Star-Architektin: Horst Roll erklärte bei der Jahresausstellung der Künstlervereinigung Ammerbuch seine Konstruktion. Bild: Faden

„An dieser Uhr hätte Dalí seine Freude gehabt“, führte Bathelt in seiner Eröffnungsrede ein Exponat von Horst Roll ein. Der Entringer Künstler hatte den Chronografen in Tiffany-Technik gefertigt. Den Bauplan hatte er von Star-Architektin Zaha Hadid übernommen. Die hatte 2006 mit dem Entwurf für das Architekturzentrum in London den ersten Preis gemacht. Gebaut wurde allerdings nie.

„Der Plan war es wert, umgesetzt zu werden“, sagte Roll. Es ist seine 31. Uhr. Als Werkzeugmacher, Maschinenbauer und pensionierter Berufsschullehrer hat er Zeit wie Know-How für seine Glas-Arbeiten. Los ging es einst mit einer kaputten Küchenuhr. Heute stehen sieben Uhren in seinem Wohnzimmer. Der Rest lagert in Vitrinen, bis Roll wieder umdekoriert. In seinem komplexesten Werk, der Jubilee-Church aus Rom, steckt ein Dreivierteljahr Arbeit. „Solche Werke sind natürlich unbezahlbar“, sagte Roll.

Tempo 30 also

Inspirationsquelle

Unverkäufliche Werke waren allerdings die Ausnahme: Die Entringer Malerin Kirsten Dietel etwa betreibt ihre Kunst im Hauptberuf. Für sie bietet die Schau ein Forum und eine Verkaufsmöglichkeit. Zwei Bilder hatte sie dabei, „Traumhaus“ hieß eines: eine märchenhafte Landschaft, ergänzt mit collagierten Elementen. Arbeiten ist für sie experimentieren: Sie lasse sich künstlerisch treiben und überrasche sich selber mit dem Ergebnis.

Das Bild „Entdeckung der Langsamkeit“ hat dadurch einen humorvollen Aktualitätsbezug bekommen: „Die Fußgänger stehen vor Freude Kopf, die Autofahrer schauen unzufrieden“, erklärt sie ein Bild, auf dem zentral ein Tempo-30-Schild gemalt ist. „Ich dachte mir, da fehlt etwas – und schon stand die 30 da“, sagt sie. Vielleicht ja wegen ihrer vielen Fahrten durch Unterjesingen.

Der Künstler Manfred Luz hat sein eigenes Museum in Entringen. Er schätze die Vielfalt in der Künstlervereinigung und appelliere daher dazu, neben den großen Meistern die lokalen Künstler zu würdigen: „Ansonsten hätten wir nur einen einheitlichen Kunstpark und nicht einen schönen, gewachsenen Wald.“

Luz faszinieren die Stimmungsbilder von Ute Sautter – klassische Landschaftsmalerei. Doch auch die Skulpturen von Brigitte Eichorst fand er toll: Ihre Nanas mit Murmeltier-, Vogel- und Krötenkopf waren ein Blickfang in der Kelter.

Künstlervereinigung sucht Ausstellungsfläche

„Diese Vielfalt klassischer Kunst und progressiver Werke ist eines unser Markenzeichen“, sagte Gerhard-Karl Riethmüller, Vorsitzende der Künstlervereinigung. Die Schau zeige, wie der Bund Netzwerke knüpft und Ausstellungsmöglichkeiten schafft. Derzeit seien die 33 Mitglieder der Künstlervereinigung bemüht, in Ammerbuch neue Ausstellungsflächen auszuloten. So böte vielleicht die Entringer Zehntscheuer bald Platz für eine zweite Jahresausstellung. Gerade Stellplatz für besonders sperrige Kunst sei gefragt: „Hier in der Kelter können wir nur Kleinskulpturen zeigen“, erklärte Riethmüller.

03.12.2012 - 08:30 Uhr

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