Beim Kulturabend traten Ortef und die Köberlein-Brüder auf
Heimspiel für Dorf-Künstler
Zu einem Heimspiel besonderer Art hatte der ASV Pfäffingen geladen: Diesmal traten nicht die Kicker an, sondern die heimischen Künstler. Auch die gewannen die Gunst des Publikums.
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WOLFGANG ALBERS
Pfäffingen. Das war ja schon ein neues Terrain, auf das sich die Verantwortlichen des Allgemeinen Sportvereins Pfäffingen gewagt hatten: mal zu einem Heimspiel nicht ins Stadion, sondern in die Turnhalle zu rufen. Samstagabend war an schon an der Kasse die Erleichterung groß: Fast alle Karten waren weg, über 250 Besucher füllten die Halle.
Sie kommen aus Pfäffingen und wurden mit der Grupe „Schoißfuaß“ bekannt: die Brüder Georg und KöberleinBild: Metz
„Heimspiel“ präsentierte diesmal nicht Sportler, sondern Künstler aus Pfäffingen. „Wir wollten zeigen, wie viel dieser Ort auch da zu bieten hat“, sagte Jürgen Göhlich, der Abteilungsleiter der AH-Fußballer. Mit seinen Mannen schmiss er die Organisation, dazu hatten sie sich bewährte Helferinnen und Helfer für die Küche geholt. Schwäbisch-bodenständig war die Speisekarte: Einheimische Weine, Most, Maultaschen, Schmalzbrot, Zwiebelkuchen und Ähnliches.
Schwäbisch war auch das Programm. Aber das in allen Variationen. Soviel gleich als Resümee: Es war ein Abend, der zeigte, wie verschieden man das Thema angehen kann - und wie viel Potenzial Pfäffingen hat.
Direkt aus dem Verein kommt Jörg Beirer. Er ist Jugendtrainer – und macht schwäbisches Kabarett. „Schwobaxang“ heißt das bei ihm. Also sang er vom Hausbauen oder über Motorräder, und das Publikum bekam gleich die Refrains zum Mitsingen.
Jörg Beirer und und die Besucher machten so quasi die Vorgruppe für zwei Jungs, denen man schon lang nicht mehr sagen muss, dass man es mit Schwäbisch weit bringen kann: Georg und Alex Köberlein, Ex-Schwoißfuaß und immer noch Grachmusikoff. Und Pfäffinger.
Zwei Profis also, die ihre ganze Bandbreite ausspielten. Alex griff mal zur Querflöte und mal zum Saxofon, und ihre Lieder reichten von der Schwoißfuaß-Zeit bis ins eher Volkstümliche, was so die Erfahrungen mit Frauen angeht: „Auf der ganzen Welt gibt’s bloß eine richtige Beißzang, aber jeder Schwõb moint, er hätt se drhoim.“ Also intonierten sie: „Sie ist aus Bad Urach und i bin von Schusseried, koiner hat se wellet, aber i han se kriagt.“ Auch im Repertoire: Eine lange, intensive Ballade über den ausgegrenzten Gustav Mesmer.
Mehr im heimischen Umkreis tritt Ortef auf, eine Gruppe um den Pfäffinger Grundschulrektor Werner Roth. Der griechische Band-Name kommt vom Vorspeisenteller Ortef, einen solchen putzte die Gruppe gerne nach Auftritten runter. Und fand, dieses kulinarische Kunterbunt sei auch passend für ihre Art, Musik in unterschiedlichsten Richtungen zu machen. Am Samstag hatte Werner Roth von der fünfköpfigen Gruppe Hans-Christoph Böhringer und Siegfried Keppeler dabei: „Weil wir nur schwäbische Musik machen. Da sind wir also sparsam.“
Was aber nicht für die Art des Musizierens galt. Die Drei hatten viele Instrumente dabei, unter anderem eine Drehleier, eine Rauschpfeife (das ist die Spielpfeife vom Dudelsack) oder einen Brummtopf. Werner Roth zitiert dazu gerne ein Lexikon: „Ein Rhythmus-Instrument übelster Sorte.“ Und wenn das für die musikalische Kreativität nicht reicht, die schwäbische Madrigale ebenso umfasst wie schwäbische Nachbarschaftskontrolle („Sie lesen und spielen Karten/ und schaffet nix im Garten“), dann greifen die Drei zu Installationsrohren und blasen da hinein.
Ortef wechselte sich mit Hans Kümmerle ab. Der langjährige Ortsvorsteher rezitierte temperamentvoll schwäbische Gedichte, den Nepomuk-Klassiker von Sebastian Blau ebenso wie ein Gedicht über einen Lehrling, der seinen Meister mit der ständigen Forderung nach Urlaub nervt. Der Junge habe einen schrecklichen Unfall gehabt, entschuldigt ihn der Vater: Da habe er Blut übertragen bekommen – von einem Lehrer.
Große Heiterkeit im Saal - und am Schluss auch ein zufriedenes Fazit bei den ASV-Verantwortlichen. Premiere gelungen – vielleicht gibt’s weitere Folgen.
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