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Zwischen Wasser und Wüste

Gipskeuper-Steinbrüche in Entringen erzählen von der Bewegung der Kontinente

Ein Spaziergang durch die heimischen Gipskeuper-Steinbrüche wird zu einererdgeschichtlichen Exkursion. Aber auch interessante Flora ist dabei zu entdecken.

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Antonia Kurz
In einem aufgelassenen Keuper-Steinbruch bei Entringen erklären die Naturführer Ludolf Bertram ... In einem aufgelassenen Keuper-Steinbruch bei Entringen erklären die Naturführer Ludolf Bertram (im Hintergrund links) und Jan Bong (rechts, mit Hut), was man aus den verschieden gefärbten Schichten ablesen kann.Bild: Faden

Entringen. „Keuper“ nennen Geologen die Landschaft, die das Ammertal und den Schönbuch beherrscht. Die Entringer Gipskeuper-Steinbrüche sind noch heute stille Zeugen davon, dass die Menschen das Material einst abbauten. Ludolf Bertram und Jan Bong führten am Samstag „durch Steinbruch und Tann“.

Ludolf Bertram pflückt die Blume und zeigt sie den zwölf Teilnehmern. Ein Ratespiel: Wie heißt die Pflanze mit den großen, weißen Blütendolden, dem Purpur gefleckte Stängel und den gefiederte Blätter, die bis zu fünf Meter hoch wird? „Riesenbärenklau“, löst Bertram auf, „die ist extrem fruchtbar und bildet bis zu 25000 Früchte aus.“

Jan Bong und Ludolf Bertram begreifen sich als Landschaftsführer. Sie sind alte Freunde, beide pensioniert, und führen als Team „Fabebo“ Gruppen im Auftrag des Landkreises Tübingen durch den Schönbuch. An diesem Samstag zeigen sie den Teilnehmern fünf der ehemaligen Entringer Gipskeuper-Steinbrüche. „Das ist so eine wunderbare Landschaft“, schwärmt Ludolf Bertram, „die Steinbrüche geben einen Einblick in eine 200 Millionen Jahre alte Vergangenheit.“ Die stillen Zeugen sind nicht nur in Entringen zu entdecken. In insgesamt zehn Orten der Region waren Gipsbrüche bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts in Betrieb.

Die Keuperzeit wird erdgeschichtlich zwischen Muschelkalk und Jura eingeordnet. Gipskeuper ist dabei die unterste Stufe im Schönbuch. Die Keuperzeit war geprägt von einem Wechselspiel zwischen Wasser und Wüste. Das hat Spuren im Gestein hinterlassen. „Wenn wir den Blick von unten nach oben über den Steinbruch gleiten lassen, sehen wir, dass sich unterschiedlich gefärbte Schichten abwechseln“, erklärt Bertram, als die Teilnehmer vor einem kleinen Steinbruch stehen. Mithilfe einer Karte zeigt Jan Bong, wie sich die Kontinente und damit auch die Gipskeuperschichten im Laufe von Millionen von Jahren bewegt haben. Und zwar nicht um einige Zentimeter. Rund 3000 Kilometer sind die Schichten von ihrem Ursprungsort der Sahara entfernt.

Die Menschen wussten die Ressourcen ihrer Heimat zu nutzten. Bei 280 Grad gebrannt, lässt sich Gips zum Bauen und als Stuckgips verwenden. Bis in die 70er-Jahre erfreute sich das Material aus Entringen großer Beliebtheit in Württemberg, Baden und der Pfalz. Als Dünger wurde das Gestein ebenfalls eingesetzt. Dafür musste es möglichst fein pulverisiert werden. Der wenig schmeichelhafte Spitzname der Gipsmüller war „Gipsköpfe“.

Im frühen 20. Jahrhundert verlor Gips jedoch seine Bedeutung zugunsten von Handelsdüngern. Guano, Thomasmehl, Kalisalz und Salpeter wurden statt des fein gemahlenen Gipses auf die Felder gestreut.

Jan Bong und Ludolf Bertram möchten den Menschen auf ihren Erlebnistouren auch die Flora und Fauna näher bringen. Bertram packt eine Lupe aus, damit die Teilnehmer die Schönheit der Pflanze im Detail sehen können. Rauhaariger Fuchsschwanz, Pfeilkresse, Stechapfel, Nachtviole und Indisches Springkraut wachsen rund um die Steinbrüche. So wie sich Ludolf Bertram für die Natur begeistern kann, so ärgert er sich darüber, dass sie bedroht wird. „Einfach schlimm, wie die Steinbrüche zugemüllt sind. Unbekannte laden da schon mal eine alte Waschmaschine ab“, sagt er.

17.08.2010 - 08:30 Uhr
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