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Sauerei am Riedberg

Eine Rotte Wildschweine bedient sich in den Gärten

Die Schweine kommen immer nachts, und wenn sie fertig sind mit den Gärten am Pfäffinger Riedberg, hinterlassen sie eine Riesen-Sauerei: Gepflegte Rasenflächen und Baumwiesen sind bei Tageslicht kaum wieder zu erkennen. Dabei trauen sich die gut 20 Tiere bei ihrer allabendlichen Futtersuche bis an die Wohnhäuser.

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Christine Laudenbach

Pfäffingen. Getreide, Mais und Äpfel locken in diesem Herbst ungewöhnlich früh eine relativ große Wildschweinrotte aus dem Schönbuch ins nahe Wohngebiet am Riedberg. Walter Belser, Jäger und Mitpächter der Pfäffinger Gemeindejagd, hat dafür eine einfache Erklärung: „In diesem Jahr gibt es im Wald keine Mast“, also kaum Eicheln und Bucheckern. „Es ist ganz normal, dass die Bäume alle paar Jahre pausieren.“ Die Tiere suchen deshalb nach Alternativen – und beim Buddeln nach eiweißhaltigen Würmern und Maden ist die Rotte vom Riedberg nicht gerade zimperlich.

Hier dürfen sie graben: Eine kleine Rotte Wildschweine auf Nahrungssuche im Schönbuch. Archivbild: ... Hier dürfen sie graben: Eine kleine Rotte Wildschweine auf Nahrungssuche im Schönbuch. Archivbild: Sommer

Die Anwohner haben dafür wenig Verständnis. Gitta Wild wohnt mit ihrer Familie Am Riedberg 15. „Jede Nacht“ kommen die Schweine, „und das schon seit Oktober“, klagt sie. „Normalerweise brechen sie erst im Januar, Februar ein.“ Wie die Tiere von den nächtlichen Besuchen abzubringen sind, wissen die Riedberg-Bewohner nicht. Das Außenlicht, das bei den Wilds bis zum Morgen brennt, schreckt die Viecher auf jeden Fall ebenso wenig wie die Schäferhunde des Nachbarn. Die verängstigen zwar Besucher und manche Anwohner, die Sauen aus dem Schönbuch aber bleiben trotz Gebell ganz gelassen.

TAGBLATT-Austrägerin ergriff die Flucht

Dass Wildschweine eher scheu sind und in der Regel nur angreifen, wenn sie Junge haben, ist da ein schwacher Trost. Auch TAGBLATT-Austrägerin Sonia Teixeira-Schmidt kam das am frühen Mittwochmorgen erstmal nicht in den Sinn. Wie üblich begann sie ihre Tour um 4 Uhr, um in der Straße Am Riedberg die Abonnenten mit dem TAGBLATT zu versorgen. Eigentlich war alles wie immer. Ein lautes Grunzen „aus dem Dunkeln“ ließ sie dann aber vor Schreck zusammen fahren und panisch Richtung Esso-Tankstelle flüchten. Trotz Taschenlampe hatte Teixeira-Schmidt die Wildsau nicht gesehen, die ihr ziemlich nahe gekommen war. In der Dunkelheit traut sie sich erstmal nicht mehr auf die Pfäffinger Straße. Die Riedberg-Anwohner bekommen ihre Zeitung in nächster Zeit erst bei Tagesanbruch zugestellt.

Jäger Belser ist relativ ratlos, wie der Rotte beizukommen ist. Eine Drückjagd kommt wegen der angrenzenden B 28 nicht infrage, „viel zu gefährlich“, so der 77-Jährige. Fast jede Nacht legt er sich deshalb im Hochsitz auf die Lauer, um den Bestand nach und nach zu verkleinern. Das ist allerdings „eine aufreibende Sache“. Nicht selten schlagen sich der Jäger und seine Helfer die halbe Nacht um die Ohren, und keine Sau kommt. Ungefähr 20 Mal müssten sie ansitzen bis zum Schuss zu kommen.

Peter Gänsslen ist das zu wenig. Er hat sein Haus am Pfäffinger Riedberg vermietet und beklagt massive Schäden auf seinem Grundstück. „Das war einst ein schöner Garten.“ Die Wiese kann er nicht mehr mähen, seine Mieter beschweren sich. Er fordert, dass die Gemeinde und der Jagdpächter endlich gegen dieses „Übermaß“ aktiv werden, am besten „mit Elektrozäunen“. Roman Sies, bei der Gemeinde Ammerbuch für Wald und Grünflächen zuständig, sieht darin nicht die Lösung. Als Alternative schlägt er die Sicherung der einzelnen Grundstücke mit Spezialzäunen vor, „die auch gegen Schwarzwild sicher sind“.

Angepasste Allesfresser mit ausgeprägter Intelligenz
Wildschweine sind Allesfresser und sehr anpassungsfähig.
Sie gelten als intelligent und registrieren sehr schnell, dass sie sich in Wohngebieten in aller Ruhe an einem reichhaltigen Nahrungsangebot bedienen können, weil ihnen dort keine Bejagung droht.
Sie dringen in Gärten und Parks ein und richten dort beträchtliche Schäden an. Gelegentlich führt sie ihr Weg bis in die Innenstadt. Im Mai 2003 sind in Berlin zwei Wildschweine bis zum Alexanderplatz spaziert.
In der Regel gelten sie aber als scheue Tiere mit einer guten Nase, die im Hintergrund bleiben, wenn Menschen sich nähern. Sollte man der Wildsau beim Joggen im Wald doch einmal Aug’ in Aug’ gegenüber stehen, rät Jäger Walter Belser zum dezenten Rückzug. Wenn das Tier tatsächlich aktiv wird hilft „laut schreien“.


23.11.2012 - 08:30 Uhr

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