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Zu schwer für die Stadtwaage

Dorfchronik und ein Geschichtenbuch erzählen Fakten und Anekdoten

24 Autoren, zwei Jahre Arbeit: Mehrere tausend Stunden ehrenamtliches Engagement stecken in der neuen Breitenholzer Dorfchronik und dem begleitenden Geschichtenbuch. Sie wurden am Samstag vorgestellt.

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Jörg Schäfer

Breitenholz. „Der Wein war eine wesentliche Einnahmequelle von Breitenholz“, sagte der Zoologieprofessor und Mitautor Harald Netzel, und passenderweise hatten auch viele der Gäste ihr Viertele vor sich stehen. Über hundert Interessierte waren ins Evangelische Gemeindehaus gekommen, um bei der Präsentation der beiden Werke dabei zu sein.

Das Autorenteam mit den neuen Ortsbüchern von Breitenholz bei der Präsentation im Evangelischen ... Das Autorenteam mit den neuen Ortsbüchern von Breitenholz bei der Präsentation im Evangelischen Gemeindehaus: von links Reinhold Breitmayer, Hans Wagner, Bernhard Zervas, Heinrich Beck, Harald Netzel, Inge Eissler, Günter Eissler. Bild: Rippmann

Für die Chronik „Breitenholz: Von der Eis- bis in die Neuzeit“ bauten die Herausgeber, der Bürgerhausverein Breitenholz, auf der Abschlussarbeit der früheren Breitenholzer Grundschullehrerin Helga Mauer auf. Sie hatte in den 1950er Jahren über die Geschichte des Dorfes geschrieben. Diese Arbeit wurde nun an einigen wenigen Stellen korrigiert und bis in die Gegenwart fortgesetzt.

Das Geschichtenbuch „Die Scheunen duften von Heu“ sollte „die Geschichte des Dorfes zum Leben erwecken“, so Günter Eißler, der Vorsitzende des Bürgerhausvereins. Einer der Autoren, Hans Wagner, trug einige Passagen aus diesem Buch vor. So erfuhren die Zuhörer, wie der Vorgängerstein des heutigen Kriegerdenkmals mühsam aus dem Schönbuch über Bebenhausen herantransportiert wurde. Als der Stein in Herrenberg gewogen werden sollte, war er zu schwer für die Stadtwaage.

Der alte Sportplatz, angelegt in den 1920er Jahren, musste wegen seiner Hanglage zunächst eingeebnet werden. Praktisch war der Standort ohnehin nicht: Nach einem Torschuss landete der Ball entweder weit hangabwärts oder verschwand ganz. „Holen wollte den Ball dann niemand“, kommentierte Wagner.

Den Inhalt der Chronik stellte Harald Netzel an einigen Beispielen vor. Er beschrieb die geologische Situation um Breitenholz. Der Ort liegt an der Keuperstufe des südwestdeutschen Schichtstufenlandes. „Oberhalb unseres Dorfes sieht man auf 140 Höhenmetern zwanzig Millionen Jahre Erdgeschichte“, sagte Netzel. Im Buch ist nun ein geologischer Lehrpfad beschrieben, der vom Ortsrand zur Ruine Müneck führt.

Die Ortsgeschichte ist zunächst sehr eng mit der Entringens verbunden, die Bewohner beider Gemeinden hatten auch das Bürgerrecht der jeweils anderen. Deshalb mussten die Breitenholzer auch lange für eine eigene Kirche und einen eigenen Pfarrer kämpfen. Die Gemeinde musste die Finanzierung selbst übernehmen und dem Geistlichen Land überlassen, wo er für den Eigenbedarf anbauen konnte.

Der Weinbau hatte für die Gemeinde lange eine größere Bedeutung, als er sie heute hat. Kartierungen zeigen deutlich mehr Rebflächen. Breitenholz hatte zeitweise drei Keltern, doch nur von zweien ist der ehemalige Standort noch mit Sicherheit bekannt. Außerdem gehörte der Ort zu den „Schönbuchgenossen“. Deshalb hatten die Bewohner das Recht, aus dem Schönbuch Holz zu holen und das Vieh dorthin zur Waldweide zu schicken.

Die Bücher sind eine Gemeinschaftsarbeit von geborenen und zugezogenen Breitenholzer Bürgern. Sie recherchierten und verfassten die Geschichten und trugen die Fotos, Abbildungen und Karten zusammen. So entstanden zwei Werke, die angenehm und kurzweilig zu lesen sind und einen umfassenden Überblick über Breitenholz und seine direkte Umgebung geben.

05.11.2012 - 08:30 Uhr

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