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Wir wollen unseren Hotte Köhler zurück!

So viel ist schon lange nicht mehr über Würde geredet worden. Nicht die angetastete Würde des Menschen, die Würde des Amtes bewegt das Land derzeit. Geschuldet ist dies niemand geringerem als Bundespräsident Christian Wulff. Der hatte sich im vergangenen Jahr (!), kurz vor Weihnachten, kräftig in seinen Kredit-Mauscheleien als niedersächsischer Ministerpräsident verstrickt.

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Artikelbild: Wir wollen unseren Hotte Köhler zurück!

Das Volk hatte sich die Meinung über seinen obersten Kreditnehmer – äh pardon: Repräsentanten – dabei häppchenweise zu BILDen. Salami-Taktik nennt man das landläufig. Ein System, das gerade in der Politik eigentlich längst als untauglich bekannt sein sollte. Schon zu viele Volksvertreter sind auf diesem Ticket per Traumschiff oder Bonus-Meilen-Flug über den Jordan gezogen.

Oder war es der Rubikon? Jenen Schritt, der historisch hergeleitet einer Kriegserklärung gleich kommt, tat Christian Wulff offenbar, als er jetzt versuchte, die Berichterstattung über seine Kreditgeschäfte zu verhindern und dem Springer-Verlag mit dem „endgültigen Bruch“ drohte. Letzteres soll er pikanterweise auf der Telefonbox von „BILD“-Chef Kai Diekmann getan haben. Eine schlechte Idee.

Bleibt die Frage, was hat das alles mit Reutlingen zu tun? Nein, wir hatten den Bundespräsidenten bisher nicht am Telefon. Und auch auf unseren Mailboxen konnten wir trotz intensiven Nachforschungen keine Wulffsche Hinterlassenschaft finden. Wir überschreiten den Rubikon der Lokalberichterstattung nur, um historische Interessen der Stadt zu vertreten.

Die Würde Reutlingens verlangt es, an dieser Stelle zu sagen, dass unser Präsident immer noch Horst Köhler (Bild) heißt. Hotte, dessen Rücktritt im Mai 2010 wir bis heute nicht akzeptiert haben, ist ein Freund der ehemaligen Reichsstadt. In seinem letzten Amtsjahr war der Mann, der während seines Wirtschafts-Studiums in Tübingen auch als möblierter Herr in Wannweil logierte, gleich zweimal in Reutlingen zu Besuch.

„Reutlingen, alte Heimat – schön, hier zu sein“, sagte Köhler, als er im April 2010 den hiesigen Boden erstmals als Staaatsoberhaupt betrat. Und dann sprach er noch einen Satz, der für viele eingefleischte Reutlinger fast mit Kennedys „Ich bin ein Berliner“ mithalten kann. In seiner Zeit als Student und Mitarbeiter des Instituts für angewandte Wirtschaftsforschung (IAW) in Tübingen habe er „Reutlingen schon immer für die bedeutendere Stadt“ gehalten.

Christian Wulff hingegen hielt Reutlingen bislang für so bedeutend, dass er sich an der Achalm nicht sehen ließ. Und schlimmer noch: Weder das Geld der heimischen Kreissparkasse noch die Kohle der örtlichen Volksbank war gut genug für den Mann aus Osnabrück.

Bei dieser Lage müssen wir hier in Reutlingen gar nicht mehr lange über die Würde des Amtes oder den Respekt vor dem Amt reden. Wir sagen ganz unverstellt: Wir wollen unseren Hotte Köhler zurück! Und wenn deshalb morgen der (Noch-)Präsident anruft, nehmen wir einfach nicht ab.

Matthias Stelzer

03.01.2012 - 08:30 Uhr

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