Es war im frühen Herbst, als eine weitsichtige PR-Agentur mitteilte, dass heuer das Jahr am letzten Dezembertag enden und sich darum bald die Frage stellen würde: „Wie feiern Sie Silvester?“ Nach der neugierig machenden Überschrift „Prosit mal anderswo“ folgte aber bloß noch Werbung: „Gönnen Sie sich einen Kurztrip, wir können Ihnen ein kuscheliges Hotel empfehlen ...“ Andere Agenturen, die ebenfalls mit dem Datum Geld verdienen wollten, legten einem unaufgefordert „perlende Lebenslust“ oder gleich ein „mattgoldenes Dankeschön“ ans Herz.
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Wofür ist zu danken? Was wird gefeiert? Leben Sie den Augenblick oder von der Hoffnung auf Künftiges, von der Vorfreude?
Silvester ist kein Tag wie jeder, nicht nur der 365. des Jahres – im kommenden übrigens der 366. Silvester ist Ritual, dem sich nur wenige Leute entziehen können oder wollen. Silvester-Muffeln gelingt das, sie sind hierzulande eine Minderheit. Für die Mehrheit ist Silvester aber Verpflichtung zu großem Programm, zur großen Geste: Party, Tanzvergnügen, Ball, Dinner, Gala, Konzert und Feuerwerk.
Verreisen geht auch. Wer den Ort wechselt, kann das Alltags-Grau hinter sich lassen. Berlin, Hamburg und München sind bevorzugte Wunschziele der Deutschen, Projektionsflächen fürs bessere Leben. Beim europäischen Publikum stehen Paris, London und andere Glitzer-Metropolen höher im Kurs. Darüber wird exakt Statistik geführt.
Die guten Vorsätze freilich – um Mitternacht mit lauter Zuversicht verkündet oder auch bloß leichtfertig hingesagt – werden vergessen. Zum Glück! Denn der Jahreswechsel ist ein ebenso magischer wie gnädiger Moment, in dem Anfang und Ende, Davor und Danach, Bleibendes und Kommendes sich berühren und zusammenwachsen. Da ist kein Platz für erbsenzählerische Aufrechnerei. Für das „Du - hast - aber - versprochen - dass ...“ bleibt noch das ganze übrige Jahr.
Wo man auf einen Lebensabschnitt zurückblickt, vielleicht düsteren Gemüts mit einem misslungenen Jahr abrechnet, da haben auch Melancholie und Trauer ihren Platz – ebenso wie Trost, Zuspruch und Aufmunterung.
Und wie feiern Sie Silvester? Mit Schampus, Sekt oder Selters? Mit Krachern, Feinstaub und anschließendem Ohrensausen oder eher still, einträchtig bis zweisam? Als Fetenfeger und Partylöwe, ausgelassen, heiter bis zuversichtlich? In der Familie, mit Verwandten, Freunden und Kollegen, in einer anonymen Bar oder mit den besten Kumpels auf der Hütte? Mal was Anderes oder „the same procedure as every year“?