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Interview zu Mühlstraßen-Engpässen

OB Boris Palmer: "Es gibt zwei Problemstellen"

Tübingen. Normalbusse, Reisebusse und überlange Stadtbusse probten am Montagabend das Aneinandervorbeifahren in der neuen Mühlstraße. Im leichten Fahrbahnknick bei Foto-Kleinfeldt, mehr noch im kurvigen Übergang zum Lustnauer Tor schwenkten Heck und Vorbau der Wagen so stark aus, dass bergwärts fahrende Busse die rechte Fahrbahnbegrenzung überfahren mussten.

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TAGBLATT: Herr Palmer, welche Erkenntnisse brachte für Sie der Fahrversuch am Montagabend in der neuen Mühlstraße?

Auch auf der Geraden ist nicht viel Platz zwischen den Bussen, wenn die sich in der Mühlstraße ... Auch auf der Geraden ist nicht viel Platz zwischen den Bussen, wenn die sich in der Mühlstraße begegnen. Bild: Ulmer

Boris Palmer: Die Fahrbahn ist mit sechs Metern breit genug, um die Busse in den geraden Abschnitten sicher aneinander vorbeizubringen. Wir brauchen keine „Spiegelklapper“. Es gibt aber zwei Problemstellen: Durch das Versetzen der Randsteine nach dem ärgerlichen Messfehler wurde der Knick in der Mitte der Straße verschärft und ist jetzt stärker als geplant. Und die Aufweitung am Übergang zum Lustnauer Tor ist für den Begegnungsverkehr von zwei großen Bussen zu eng. Es geht um weniger als 50 Zentimeter, aber wir müssen hier nacharbeiten. Die gute Nachricht: das geht. Die Busse, aber auch die Radler können am Samstag wieder ungehindert fahren. Am Montag folgt die Freigabe für Autos.

Nicht wenige Leute, unter anderem die Verantwortlichen des Stadtverkehrs haben früh auf die Enge hingewiesen. War das Problem für die Planer und Bau-Verantwortlichen der Stadtverwaltung nicht abzusehen?

Die Unkenrufe, die ich auf der Straße gehört habe, galten der Breite der gesamten Straße. Und das erweist sich als unberechtigt. Ich habe daran auch nie gezweifelt, weil die markierte Fahrbahn vor dem Umbau keinen Zentimeter breiter war. Gewarnt hat der Stadtverkehr vor dem verschärften Knick. Dass sich das jetzt auch auf den Trichter am Lustnauer Tor überträgt, ist für mich ganz neu. Sonst hätte man die fehlenden 50 Zentimeter natürlich gleich der Fahrbahn zugeschlagen. Die Planung stammt von einem renommierten und erfahrenen Ingenieurbüro. Was soll ich dazu sagen? Nachher ist man immer klüger.

Was kann jetzt getan werden, damit Busse, Radfahrer und Fußgänger die Mühlstraße sicher und in angemessenem Tempo passieren können?

Die Busse konnten früher bei Bedarf den Radstreifen in der Mühlstraße mitnutzen. Um das im Ausnahmefall weiter zu ermöglichen, haben wir bewusst die sehr niedrigen schrägen Bordsteine eingesetzt. Das ist nun die Lösung: Im Bereich des Lustnauer Tors werden die Busse häufiger als zunächst geplant in Richtung Radweg ausweichen. Damit die Radler wissen, dass sie diese Flächen nicht für sich alleine haben, werden etwa 50 Zentimeter neben den Randsteinen Metallscheiben im Pflaster verankert. Die Radler werden so in den sicheren Bereich gelenkt. Wir bilden gewissermaßen die breite weiße Linie nach, die bisher Rad und Bus trennte.

Es ist nicht die erste Panne beim Umbau der Straße, wer trägt dafür die politische Verantwortung?

Ich habe den Umbau der Mühlstraße vorgeschlagen. Ich stehe dazu. Wer jetzt hindurchgeht, kann sehen, dass wir einen attraktiven öffentlichen Raum geschaffen haben und die Situation für Radfahrerinnen und Fußgänger wesentlich besser geworden ist. Ich habe die Vorgabe zu verantworten, die Fahrbahn nur auf Mindestbreite zu bauen, weil es so eng ist, dass sonst kein vernünftiger Radweg machbar gewesen wäre. Hätte ich mehr Reserven für den Busverkehr verlangt, wären jetzt keine Korrekturen nötig. Kurz Antwort auf die Frage: Ich.

Die Fragen stellte Eckhard Ströbel

25.11.2009 - 10:30 Uhr | geändert: 25.11.2009 - 17:13 Uhr

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