Für die Ofterdinger Ortsdurchfahrt ist die neue Flimmerwerbetafel kein Makel. Links und rechts der B 27 sind bereits zahlreiche Reklameschilder montiert. Erst 2010 musste die Gemeinde einem monströsen, fast acht Meter hohen Holzgestell mit Satteldach ein Absteigequartier bieten, mit dem das Mössinger Handels- und Dienstleistungszentrum „Delicasa“ Kunden heranlocken möchte. Der Ofterdinger Gemeinderat hatte nicht zugestimmt, laut Mössinger Baurechtsamt war das allerdings „rechtswidrig“.
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Susanne Wiedmann
Bewegte Bilder am Ofterdinger Ortseingang: Die elektronische Werbetafel an der B27 zieht Blicke und Aufmerksamkeit auf sich.Bild: Franke
Denn an der Ortsdurchfahrt drängen sich zwar alle Arten von Werbetafeln und Bauformen, was es aber nicht gibt, ist ein Bebauungsplan. Deshalb konnte nun auch der grell leuchtende Bildschirm in das an dieser Stelle ohnehin verschandelte Ortsbild gesetzt werden. Aus Behördensicht spricht innerorts nichts dagegen.
Die Werbetafel sei rechtlich jedenfalls nicht zu verhindern gewesen, betonte Dieter Braun, Abteilungsleiter „Verkehr und Straßen“ beim Tübinger Landratsamt. Dass es sich dabei um bewegte Bilder handelt, ist unerheblich. Denn das Gesetz unterscheidet nicht zwischen statischen Plakatwänden und flimmernden Bildschirmen. Vielleicht müsse man sich in Zukunft über solche Werbeträger tiefschürfendere Gedanken machen, meinte Braun, wenn immer mehr davon aufgestellt würden. Höchste Zeit, möchte man sagen, dass das Baurecht dem Medienzeitalter angepasst wird.
Längst gilt ein Handy-Verbot für Autofahrer, obgleich eine fehlende Hand am Steuer weit weniger Unfallrisiko birgt als der fehlende Blick auf die Straße. Nicht nur wo die Hände sind, sondern vor allem das Hirn und die Augen, ist entscheidend.
Doch lenkt die gleißend helle Tafel nicht nur die Aufmerksamkeit auf sich. Genauso ist man versucht, ihren blendenden Strahlen auszuweichen – wie dem vergessenen Fernlicht eines entgegenkommenden Fahrzeugs. Daher ist es zu bezweifeln, dass die Marketingstrategie der Firmen aufgeht, mit sekundenschnellen Videoclips irritierte Autofahrer als Käufer zu gewinnen. Das Image der Unternehmen fördert es jedenfalls nicht. Kundenjagd auf Kosten der Verkehrssicherheit kommt nicht gut an!