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Ganz Unten

Internet-Umfrage mit Manipulations-Risiko

„Daten-Desaster bei der IHK Reutlingen“ lautet die Überschrift eines Internet-Blogs. Geschrieben hat ihn Ulrich Eder von der Tübinger Werbeagentur Peak, selbst IHK-(Zwangs-)Mitglied und Teilnehmer an einer Online-Umfrage der hiesigen Industrie- und Handelskammer zum Thema Breitband-Versorgung: „Wie schnell ist Ihr Internet?“ Schließlich ist eine gute Internetverbindung für viele der rund 33 000 IHK-Mitgliedsunternehmen in den Landkreisen Tübingen, Reutlingen und Zollernalb ein wichtiger Standortfaktor. Nicht nur, wer wie die Bühler und so mancher Hirschauer und Hagellocher im Tal oder auf dem Hügel der Ahnungslosen lebt, dürfte da zustimmen.

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Volker Rekittke

Eine gute Sache, dachte auch Eder und beteiligte sich – wie 1500 andere IHK-Mitglieder – an der Befragung. Stutzig machte ihn, dass der im Anschreiben genannte Zugangscode (später wurde ihm klar: es handelt sich um die IHK-Mitgliedsnummer) derart simpel gestrickt war: Nur fünf Ziffern, keine Klein- und Großbuchstaben, keine Sonderzeichen. Damit könnte man die Umfrage doch ziemlich einfach manipulieren, fiel dem Unternehmer auf.

Eder hat schon von Berufs wegen viel mit dem Web zu tun. Also gab er fünfstellige Nummern ein. Nach fünf Versuchen hatte er den ersten Treffer: „Es gab keine Sperre nach den ersten drei erfolglosen Versuchen – es gab überhaupt keine Sperre.“ Nach weiteren vierzig Versuchen hatte Eder zehn Nummern herausgefunden, unter denen er an der IHK-Umfrage teilnehmen konnte. Mit einem simpel zu erstellenden Mini-Programm, so Eder, hätte man sogar tausende von Nummernkombinationen durchprobieren und die Umfrage durch Eingabe immer derselben Antworten entsprechend beeinflussen können. Der investigativen Erkenntnisse noch nicht genug: Mit der eigenen sowie mit sämtlichen selbst herausgefundenen Ziffernfolgen konnte Eder nachträglich die bei der Umfrage eingegebenen Antworten (auch die anderer Teilnehmer) wieder auf den Bildschirm holen – und verändern.

Nachdem der Tübinger Unternehmer die IHK darüber informiert hatte, wurde die Umfrage am Montag vorzeitig beendet. Die bisher abgegebenen über 1500 Antworten sollen dennoch ausgewertet werden. Es gebe „bisher keine Hinweise auf Manipulationen“, so IHK-Sprecher Christoph Heise. Eder hingegen hält solche Ergebnisse „für relativ wertlos – man kann nicht genau sagen, ob nicht doch manipuliert wurde“.

Nun muss man nicht gleich ein „Daten-Desaster“ heraufbeschwören, wie Eder das in seinem Blog tut. Größere Auswirkungen hat die Panne (vermutlich) nicht. Klar ist aber auch: Schutz vor Manipulation, Transparenz und Sicherheit beim Umgang mit Informationen im Internet sollten stets an erster Stelle stehen. Das verlangt eine nach vielen Daten-Skandalen zunehmend misstrauische Öffentlichkeit. Und vielleicht hätte die Reutlinger IHK ja auch Software-Profis aus der Region beauftragen können, statt das offensichtlich nicht ausgereifte Programm einer Stockholmer Firma einzukaufen.

21.10.2010 - 08:30 Uhr | geändert: 21.10.2010 - 08:37 Uhr

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