Politik für die Ohren: Die Piratenpartei Baden-Württemberg präsentiert sich und ihr Wahlprogramm als Hörbuch - drei Stunden lang. Hört die Signale: Die Piraten kommen. Nicht links, nicht rechts, sondern vorne - so zumindest die Eigeneinschätzung jener aufstrebenden Gruppe, die bei der Bundestagswahl 2009 aus dem Stand zwei Prozent einfuhr. Vorne, das heißt auch: technisch auf der Höhe der Zeit. So hat der Landesverband Baden-Württemberg sein Wahlprogramm für die Landtagswahl am 27. März nicht nur als 47 Seiten starkes PDF-Dokument zum Download bereitgestellt, sondern, man höre, auch als Hörbuch.
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CHRISTOPH FAISST
Ulm Hörbuch? Das klingt nach Kultur, was in diesem Fall aber in die Irre führt. Denn auf die Ohren gibt es satte drei Stunden Parteiprosa, verdichtet in einer Zip-Datei, die auf dem heimischen Computer erst einmal entpackt sein will. Wer sich über die Partei informieren will, die sich wie keine andere über Netzthemen definiert, braucht etwas technischen Sachverstand, bevor erste piratige Töne ans Ohr dringen.
"Die Piraten sind, auch gemessen am Alter ihrer Mitglieder, eine junge Partei und möchten neue Ideen in die Politik einbringen", sagt ein Mann in der Datei "001-Parteivorstellung". Und eine Frauenstimme ergänzt: "Wir laden alle Menschen, alle Generationen und alle gesellschaftlichen Gruppen im Land dazu ein, mit uns diese neue Politik zu gestalten." Was die Piraten darunter verstehen, wird im Programm ausführlich dargelegt.
Ging es der Partei, die sich 2006 in Berlin gegründet hatte, in ihren Anfängen vor allem um Themen wie Datenschutz und Bürgerrechte, präsentieren sich die Piraten programmatisch nun deutlich breiter aufgestellt. Arbeit, Soziales und Gesundheit haben ebenso Eingang gefunden wie Umwelt-, Verkehrs- und Wirtschaftsfragen.
Nach eigenen Angaben will die Partei mit dem Hörbuch, das an den Wahlkampfständen auch als CD verteilt werden soll, ihre Forderung nach Barrierefreiheit umsetzen. Gedacht sei an seh- und lesebehinderte Menschen. Dieser Hinweis ist durchaus wichtig, denn parallel zur Präsentation des Hörbuchs beklagen die Südwest-Piraten im Internet: "Gehörlose werden systematisch von der politischen Teilhabe ausgeschlossen."