Ist das ungarische Staatsoberhaupt Pál Schmitt ein Plagiator? Das legt seine Doktorarbeit nahe, denn sie ist eine bloße Übersetzung.
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NORBERT MAPPES-NIEDIEK
Budapest Ein "Pálgiat" nennen oppositionelle Ungarn, was ihr Präsident Pál Schmitt begangen hat: Um sich den für eine Diplomatenkarriere obligatorischen Doktortitel zu sichern, hat das Staatsoberhaupt die ungarische Übersetzung einer französischen Dokumentation als Dissertation eingereicht. 180 von 215 Seiten seiner "Analyse des Programms der Olympischen Spiele" sind nach dem Urteil des Internet-Portals HVG Wort für Wort übersetzt. Eigene Gedanken gibt es nicht.
Der ehrgeizige Schmitt war, als er sein Plagiat einreichte, 50 Jahre alt und hatte zwei Karrieren hinter sich: als olympischer Degenfechter und als Sportfunktionär. Zu kommunistischer Zeit war er Vize-Sportminister und Generalsekretär des nationalen Olympischen Komitees.
Die sportwissenschaftliche Fakultät hatte die Doktorarbeit des obersten Sportfunktionärs mit "summa cum laude" ausgezeichnet. Das, obwohl die Professoren offenbar sehr genau wussten, dass ihr Urteil an den Haaren herbeigezogen war. Doch beide Gutachter waren Mitglieder der "Olympischen Akademie", eines Instituts, über das ihr Doktorand als NOK-Präsident seine schützende Hand hielt.
Immerhin scheint Schmitt die Übersetzung selbst angefertigt zu haben. Das schließen Kenner seiner Werke aus den zahlreichen Rechtschreibefehlern, die einem professionellen Übersetzer kaum unterlaufen wären. Dass der Präsident nicht richtig schreiben kann, war schon häufig Quelle der Heiterkeit. Der eigentliche Autor, der Bulgare Nikolai Georgiew, arbeitete bis zu seinem Tod 2005 am olympischen Archiv in Lausanne. Dass er den Diebstahl nicht bemerkte, ist vermutlich darauf zurückzuführen, dass er kein Ungarisch verstand.
Das Präsidialbüro wies den Plagiatsvorwurf "kategorisch" zurück. Später hieß es, Schmitt sei mit dem Autor befreundet gewesen, beide hätten zusammengearbeitet - was Georgiews Tochter verneint. Die Regierung unter Viktor Orbán trifft die Plagiatsaffäre in einem ungünstigen Moment. Schmitt ist Orbáns Mann. Er hat die neue, umstrittene Verfassung wortlos durchgewunken. Eigenen Gedanken scheint der heute fast 70-Jährige noch immer nicht zu vertrauen.