Was haben wir nur verbrochen, dass uns das neue Jahr gleich so kommt? Die ganze Welt des (Discount-)Handels hat sich gegen uns verschworen. Während wir im Dezember noch mit Schokoladen-Spezialitäten aus aller Welt und Luxus-Futter satt auf die vollgestopften Erdgeschossflächen gelockt wurden, ist jetzt Schluss mit lustig. Kaum sind die weihnachtlichen Klänge vom Endlosband verstummt, die letzten Zutaten fürs Silvestermenü verscherbelt, sollen wir nun offenbar jedes teuer erkaufte Gramm Fett büßen.
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Die Aktionsflächen der Märkte haben sich in große Projektionsflächen fürs Gewissen verwandelt. Der nach dem römischen Gott Janus benannte erste Monat des Jahres lebt seine ganze Doppelgesichtigkeit aus: Er lässt einen zurückblicken ins alte, fette Jahr und zwingt einen gleichzeitig in Vorsätze für die anbrechende Zeit. Für den Handel heißt das, jetzt wird an den Folgen des Jahresendgeschäfts erneut verdient. Aldi, Lidl, Netto, Tchibo und wie sie alle heißen setzen gezielt auf Sonderausstellungen der gängigsten Foltergeräte unserer Zeit.
Leibesübungen sind angesagt – schon alleine, wenn es darum geht, den Vibrationstrainern (unser Bild zeigt ein mittlerweile etwas veraltetes Pionier-Modell) und Fitnessrädern in den berüchtigten Mittelgängen aus dem Weg zu gehen. Schwunghanteln, Gymnastikbälle, Swing sticks, Aktivschuhe, Turnmatten, Schrittzähler oder auch ein schönes Tür-Reck – all das lässt die Durchschnittseinkäufer/innen schier unwillkürlich die überflüssigen Pölsterchen auf Gürtelhöhe per Atemtechnik aufwärts pressen. Bauch rein, Brust raus, wobei für Letztere natürlich überall zumindest ein passender Sport-BH zu haben ist. Und wer es gerne noch professioneller hat, kann die Lebensmittelausgaben von vor den Festtagen auch noch um einen ganzen Satz Kompressionswäsche in die Höhe treiben.
Apropos treiben, oder genauer übertreiben: Das sollten Couchpotatoes nicht. Wer ungeübt zu viele Übungen des Leibes mithilfe modernster Gerätschaften vornimmt, läuft Gefahr, einer Verletzung anheimzufallen. „Sport ist eine völkerverbindende Sache. Vor allem die Ärzte haben viel zu verbinden“, stellte der deutsche Schriftsteller Herbert Rosendorfer einst fest.
Ein medizinisches Phänomen, das sich bis zu den Einkäufern der Discounter herumgesprochen haben muss. Auf den Sonderverkaufsflächen unter den großen Schildern mit Titeln wie „Topfit im neuen Jahr“ sind auch Wärmepflaster, Kalt-Warm-Kompressen, Dextrose-Tabs, Rückenbandagen, Heizkissen, Infrarot-Massagegeräte und – das scheint im neuen Jahr der letzte Schrei zu sein – verschiedenste Moor-Kissen zu haben. Gegen das kleine Geld, das sich bekanntlich summiert.
Und wer zum krönenden Abschluss der Feiertagsausgaben dann doch noch eine leibesschmeichelnde Kleinigkeit für den größeren Geldbeutel sucht, wird bei Tchibo fündig: Dort gibt’s verschiedene Saunen – auch für den Eck-Gebrauch. Womit dann auch spätestens klar ist, dass es sich nächstes Jahr lohnen könnte, schon beim Einkauf vor Weihnachten um die Ecke an die anstehenden Leiden der Leibesübungen zu denken. Sportgruß!