Sie standen immer einträchtig nebeneinander und verkauften, was sie im eigenen Garten und auf ihren Grundstücken geerntet hatten. Der Mann packte überall mit an. Für die Heidelbeeren ging die Frau extra in den Wald, sie wusste Stellen, wo die dunklen Beeren üppig reiften. Daheim kochte sie daraus köstliche Marmelade, darunter manch ungewöhnliche Sorte.
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Das Apfelgelee gehörte zu ihren Spezialitäten, die ich immer wieder gerne bei ihr kaufte. Andere wiederum liebten ihre Erdbeer-Ingwer-Marmelade oder kauften den eigens gebrannten Kräuterlikör.
Eines Freitags fehlte ihr Stand auf dem Tübinger Wochenmarkt. Die leer gegessenen und ausgespülten Marmeladengläschen, die ich bei der Frau aus dem Schwarzwald und ihrem Ehemann abgeben wollte, musste ich wieder mit nach Hause nehmen. Auch in den folgenden Wochen fehlte der Stand des älteren Ehepaars aus dem Schwarzwald.
Der Sommer verging, der Herbst kam. Und noch immer blieb ihr Platz vor dem Schuhgeschäft leer. Eines Freitags aber war der Marktstand wieder aufgebaut. Hinterm Tisch jedoch stand nur der Mann. Die freudige Begrüßung zwischen uns fiel kurz aus. Der 70-Jährige erzählte mir unter Tränen, was passiert war.
Den Krebs wollte seine Frau mit einer neuartigen Therapie für immer loswerden. Anfangs sah alles sehr gut aus. Seine Frau erntete im Garten und auf den Grundstücken Beeren und Obst, kochte wie immer Marmelade ein, ihr Mann half beim Ernten und Abfüllen. So füllten die beiden wieder die Vorratsregale. Immer unterbrochen von Klinikaufenthalten und von Chemo-Phasen.
Plötzlich ging es der Frau schlecht, die Therapie musste abgebrochen werden. Ihre letzten Lebenstage verbrachte ihr Mann bei ihr im Krankenzimmer. Bis zum letzten Atemzug.
Ihre Marmeladen und Liköre hat sie ihm als Vermächtnis übergeben – verbunden mit dem Versprechen, dass er sie auf dem Tübinger Wochenmarkt verkauft. Bis nichts mehr da ist. Jede Woche wird nun seine Auswahl an Marmeladen etwas kleiner. Und hin und wieder erzählt mir der Mann aus dem Schwarzwald, was er jetzt macht, so allein zu Hause. Da bringt die Tour auf den Tübinger Wochenmarkt an jedem Freitag ein wenig Abwechslung in die Woche.
Nicht immer ist der Mann aus dem Schwarzwald zum Schwätzen aufgelegt, oft reicht ein bestimmtes Wort, um ihn aus der Fassung zu bringen. Der Verkauf eines Marmeladegläschens aber zaubert wieder ein Lächeln auf sein Gesicht.