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Haltestelle Gleis 14

Jan Gittinger von der Mobilen Jugendarbeit Tübingen hilft jungen Menschen mit Problemen

Der Sozialpädagoge Jan Gittinger, der seit einigen Monaten zusammen mit seiner Kollegin Katharina Willar Beauftragter für die Mobile Jugendarbeit (MJA) Tübingen ist, empfängt uns bei eisiger Kälte am Tübinger Hauptbahnhof. Schnell folgen wir Jan in das Büro der MJA, das direkt neben Gleis 13 liegt – „Gleis 14“ wird es darum oft genannt.

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Sozialpädagoge Jan Gittinger mag seinen Job: Das Bild entstand im Büro der Mobilen Jugendarbeit ... Sozialpädagoge Jan Gittinger mag seinen Job: Das Bild entstand im Büro der Mobilen Jugendarbeit Tübingen. Bild: Hage

Flugplatz: Ganz generell, was fällt alles so in den Aufgabenbereich eines Streetworkers?

Jan: Es ist bunt, was wir haben. Von Wohnungslosigkeit über Bewährungsstrafen und Bewerbungsschreiben bis hin zu Schwierigkeiten im Elternhaus, zum Beispiel häusliche Gewalt.

Welche Hilfe bietet ihr Obdachlosen – gerade jetzt bei der Kälte?

Wir verweisen sie weiter an die Tübinger Wohnungslosenhilfe, die Notunterkünfte für Männer und Frauen hat. Im Allgemeinen ist zwar das Thema Wohnungssuche wegen Auszugs von zu Hause ein wichtiges Thema bei unserer Zielgruppe, Obdachlosigkeit kommt jedoch kaum vor.

Was sind das für Menschen, mit denen ihr arbeitet?

Es sind vor allem junge Menschen in schwierigen Lebenssituationen. Im Moment sind es ganz wenige Jugendliche zwischen zwölf und 16 Jahren. Viele Leute sind schon über 20. Das liegt, glaube ich, vor allem daran, dass es, wenn man sein Problem erkannt hat, meist eine Weile dauert, bis man sich wirklich Beratung sucht.

Kommen mehr Mädchen oder eher Jungen?

Wir treffen beim Streetworken eher Jungs an. Es kommen aber auch immer wieder Mädchen, die spezielle Probleme haben. Es ist, glaube ich, in vielen sozialen Einrichtungen der Jugendarbeit so, dass es mehr Jungs sind.

Welche Qualifikationen und Eigenschaften sollte man für diese Arbeit mitbringen?

Meine Kollegin und ich sind beide Diplom-Sozialpädagogen. Und dann glaube ich schon, dass man als Streetworker kontaktfreudig sein sollte. Man sollte zu den jungen Menschen einen Draht haben, denn die Fälle sind zum Teil sehr persönlicher Natur.

Arbeitest du ehrenamtlich oder wirst du bezahlt?

Ich werde ganz normal bezahlt. Ich arbeite für den Verein Hilfe zur Selbsthilfe, bei dem ich angestellt bin; die Stadt Tübingen ist die Auftraggeberin.

Habt ihr feste Arbeitszeiten oder variiert das immer?

Unsere Arbeitszeiten müssen sich natürlich daran orientieren, wann junge Menschen draußen sind. Das ist im Winter auch anders als im Sommer. Und so passt sich das mit den Zeiten an. Ich arbeite vier Tage die Woche und fange meistens so um elf Uhr an. So viel zur Regelmäßigkeit, wir haben eigentlich auch zwei regelmäßige Öffnungszeiten. Das ist einmal montagnachmittags und freitags. Wir sind dann auch nicht so viel unterwegs, damit die Leute vorbeischauen können.

Für welchen Bezirk seid ihr zuständig?

Wir heißen Mobile Jugendarbeit Tübingen Innenstadt, weil hier in der Innenstadt der Bedarf am größten ist. Zuständig sind wir für den Bereich Botanischer Garten und Uhlandstraße. Aber natürlich auch für den Europaplatz, den Bahnhof und die Umgebung.

Welchen Unterschied gibt es zwischen der Mobilen Jugendarbeit und Streetwork Tübingen?

Die Leute von Streetwork Tübingen sind nicht für ein anderes Gebiet zuständig, sondern für andere Leute. Der zentralste Unterschied ist, dass die MJA, wie der Name schon sagt, ausschließlich für Jugendliche und junge Erwachsene im Alter von 14 bis 27 Jahren zuständig ist und Streetwork für junge Erwachsene in schwierigen Wohn- und Lebensituationen. Die sprechen die Leute auch gezielt an. Wir sind mit den Streetworkern auch befreundet und gehen manchmal zusammen eine Runde, aber eher selten. Es gibt ganz, ganz wenige Überschneidungen.

Wie macht ihr denn auf euch aufmerksam?

Streetwork ist das Mittel, um auf uns aufmerksam zu machen. Aber gleichzeitig muss man natürlich auch mal auf einer Party auftauchen, damit die Leute einen kennen und wissen: „Aha, euch gibt’s, und wenn’s ein Problem gibt, kann ich zu euch kommen.“

Kannst du nach der Arbeit einfach heimgehen und abschalten, oder verfolgen dich manche Fälle auch bis nach Hause?

Ich wohne in Tübingen und sehe die Leute auch in meiner Freizeit, aber das ist nichts, was mich belastet. Da habe ich schon gelernt, damit umzugehen, ich denke, das muss man auch. Es ist schon ein Kontakt da, auch in der Freizeit, allerdings eher zufällig und eher selten.

Ist das Verhältnis dann eher distanziert oder baut man auch Freundschaften auf ?

Da gibt es Unterschiede zwischen den Sozialpädagogen. Der eine sagt, hier ist meine Freizeit, da meine Arbeit. Bei mir ist es so, dass ich schon ein Kumpelverhältnis haben kann. Aber ich denke, zu einer gewissen Professionalität gehört auch immer ein klares Verhältnis. Ich würde niemanden zu mir nach Hause einladen, aber es kann schon auch mal passieren, dass ich mit jemandem Fußball spiele, wenn ich ihn in meiner Freizeit treffe.

Gibt es irgendwas, was dich an dem Job besonders begeistert?

Mir machen Jugendarbeit und die Auseinandersetzung mit jungen Menschen viel Spaß. Es sind oft spannende Fälle und spannende Menschen. Ich würde es jederzeit wieder machen, auf jeden Fall. Ich mache auch gerne Aktionen mit jungen Menschen und habe eine Zusatzausbildung als Erlebnispädagoge. Das ist auch das Nette daran: Du hockst nicht die ganze Zeit im Büro und tippst irgendwas, sondern bist draußen und erlebst etwas. Du hast eine lebendige Auseinandersetzung.

Die Fragen stellten Pia Hage (17) und Naomi Hage (15)

07.02.2012 - 08:30 Uhr

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