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„Es ist deine Sache“

Eine Schülerin fastet, weil sie es selbst so will

Hüda Asut, 17, feiert Ramadan, seit sie 15 ist. Im FLUGPLATZ-Gespräch erzählt sie, wie sie den Fastenmonat erlebt und weshalb man dabei an sich glauben muss.

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Es ist heiß in Tübingen, unfassbar heiß, als ich mich mit Hüda treffe, um sie über den Ramadan auszufragen. So liegt die erste Frage auf der Hand: 36 Grad im Schatten – wie anstrengend ist es da, den ganzen Tag nichts zu essen und vor allem: nichts zu trinken?

Artikelbild: Eine Schülerin fastet, weil sie es selbst so will

Hüda meint, der erste Tag sei hart. Aber nach ein paar Tagen passt sich das Hungergefühl diesem krassen Rhythmus an, es fällt immer leichter, die Heißhungerphase zwischen 12 und 14 Uhr zu überstehen. Ablenkung ist da ganz wichtig. Bis vor einer Woche war das die Schule, und auch da kam es häufiger mal vor, dass ihr irgendwas angeboten wurde und sie sich erklären musste. „Was machst du? Fasten?“ Viele sind irritiert. Aber Hüda erzählt gerne von dieser Tradition und freut sich, wenn andere interessiert sind.

Jetzt in den Ferien kommt es allerdings häufiger vor, dass sie zu Hause sitzt und sehnsüchtig auf die Zeiger der Uhr schaut. Großartig aktiv sein geht bei der Sommerhitze einfach nicht, wenn man fastet. „Mal unter uns, hast du niemals genascht oder heimlich was getrunken?“, frage ich sie. Nein, nie. Das komme gar nicht in Frage, es sei keine Option. Entweder man zieht das Fasten durch oder man lässt es.

Es trainiert die innere Stärke, man muss an sich selber glauben. In ihrer eher liberalen Familie (Hüda und ihre Schwester tragen beispielsweise auch beide kein Kopfuch) wird niemand gezwungen, beim Ramadan mitzufasten. Wenn sie mal jammerte und aufhören wollte, hieß es: „Dann lass’ es! Es ist deine Sache.“ Sie fastet gerne mit ihrer Familie mit, als Einzige nicht mitzumachen, wäre unvorstellbar.

30 Tage gehtie Fastenzeit, und da die Sonne jeden Tag etwas später aufgeht und etwas früher untergeht, wird der Fastentag gegen Ende immer kürzer. Ein spezieller Kalender gibt darüber Bescheid, wann am jeweiligen Tag das Fastenbrechen beginnt, zum Beispiel ab 21:15 Uhr bis 03:54 Uhr.

Der Abend gestaltet sich so: Zunächst trinken alle in Ruhe Wasser. Dann gibt es Datteln und schließlich wird ein richtiges Festmahl aufgetischt. Es wird nicht laut gebetet, das tut jeder für sich. Die Atmosphäre ist entspannt und fröhlich. Das Gemeinschaftsgefühl ist eine ganz wichtige Sache beim Ramadan. Hüda findet es schön, abends mit der ganzen Familie am Tisch zu sitzen, zu essen und zu reden... Und natürlich freut sie sich auf das Zuckerfest gleich im Anschluss an Ramadan, wie eine Belohnung für die Strapazen. Hüda sagt selbst: „Ramadan ist nicht einfach, aber definitiv etwas Besonderes für mich.“

Catharina Schreiner, 17

31.07.2012 - 08:30 Uhr

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