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Junge-Leute-Programm

Ausbildung und Einbildung

Bildung ist in Deutschland nicht für alle zugänglich. Beim Workshop „Ausbildung und Einbildung“ versuchten Jugendliche herauszufinden, warum das deutsche Bildungssystem so ist, wie es ist. Die Veranstaltung war Teil des Junge Leute-Programms auf dem Buko-Kongress.

 

Einige Jugendliche sind in den kleinen Seminarraum im Sudhaus gekommen und haben sich um Konstantin (26) gesetzt. Er studiert Soziologie und versucht erst einmal eine Analyse. Sinn und Zweck der Einschulung sei eigentlich, dass die Kinder in der Schule einen Wissenszuwachs bekommen. Doch dies scheine nicht der Fall zu sein: „Den Kindern werden Noten verpasst.“ Erst wird gelernt, dann wird getestet, so Konstantin. Dass die Noten als Feedback für die Lehrer da sind, scheint ihm nicht einleuchtend.

Es kommen Fragen auf: Warum bekommen die Kinder dann keine zweite Chance, wenn sie mal schlecht abschneiden? Die Notenverteilung sei im Voraus schon bestimmt, dies regle die Gauß’sche Normalverteilungskurve. Demnach gibt es einige wenige, die sehr gut beziehungsweise sehr schlecht abschneiden. Der Rest sollte durchschnittliche Noten bekommen. Wenn das mal nicht der Fall ist, so ist der Lehrer verpflichtet, seine Arbeiten schwerer zu machen: „Sonst gibt es Probleme mit dem Rektorat“, führt Konstantin aus. Alles Regelungen, die vom Ministerium für Bildung kämen.

In der vierten Klasse, so Konstantin, bekommen dann die Schüler eine Durchschnittsnote, die ihren zukünftigen Lebensweg bestimmt. Ein Großteil der Bürger bestätige sogar, dass Menschen mit schlechten Noten eher handwerklich begabt seien. Wem man diese Auslese zu verdanken hat? „Der Wirtschaft“, sagt der Student. Denn die Politik richte sich nach der Wirtschaft aus. Es gehe lediglich darum, in der „modernen Wissensgesellschaft“ mitzuhalten und Bildung zu vermitteln, die die Konkurrenz schlagen soll. Die ganzen Reformen wie beispielsweise die Verkürzung des Gymnasiums auf acht Jahre oder das Bachelor- und Master-Studium habe die Gesellschaft auf der einen Seite der Wirtschaft zu verdanken, die ihre Ingenieurlücke füllen möchte, und auf der anderen Seite dem Staat, dem es darum gehe, weniger Geld auszugeben. „Die Bildung selbst ist schon zugänglich für alle, doch was nicht zugänglich ist, ist die Weiterbildung“ – also Gymnasium und Universität.Ahmet Ocak, 21

18.05.2010 - 08:30 Uhr
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