Soziale Netzwerke
238 Freunde sind zu viel
Bist du…in SchülerVZ, StudiVZ, MySpace, Facebook, Twitter oder StayFriends?“ Ja, so manches Gespräch mit der netten Bekanntschaft von vor fünf Minuten endet mit dieser alles entscheidenden Frage, die in den seltensten Fällen verneint wird. Warum auch? Es ist so einfach, Teil eines sozialen Netzwerks zu sein.
Sarah Arewa, 19
L eider ziemlich out: Der Brief(-kasten)
? , . Ganz plötzlich darf jeder im World Wide Web kräftig mitmischen – Hoch lebe das Web 2.0! Profil anlegen, Fotos von sich und seinen Liebsten hochladen, Interessen und Hobbies angeben, und los geht das muntere Freunde-Suchen. Stundenlang lässt es sich in ihren Profilen stöbern und ah! da ist ja auch der Qiang von der Fete in Hongkong und oh! hier die Juanita vom Seminar in Santiago de Chile!
Allein in Deutschland haben sich das mittlerweile 8,6 Millionen Menschen zunutze gemacht, weltweit mehr als 700 Millionen – Tendenz drastisch steigend. Wörter wie „skypen“ und „icqn“ müssten schon längst im Duden stehen, denn schon bevor im Web von allen Ecken der Welt „getwittert“ wurde, erfreuten sich Videotelefonie- und Chat-Programme größter Beliebtheit. Nur ein Klick, und schon können wir uns mit Juanita oder Qiang, Oma oder Opa, dem Schulkameraden oder gar mit allen auf einmal unterhalten. Welche Möglichkeiten diese neuen Kommunikationsstrukturen dem Internet-bewussten Verbraucher doch bieten!
Aber jetzt bitte Hand aufs Herz: Wer hat zu mehr als 30 von den 238 SchülerVZ und den 157 Facebook-Freunden tatsächlich einen Kontakt, der das Prädikat „nennenswert“ verdient? Wie oft reicht die grün strahlende icq-Blume oder das ebenfalls grün erleuchtete Skype-Logo links vom Namen der Person, mit der wir seit drei Monaten nicht mehr kommuniziert haben, aus, damit wir gleichgültig bei uns denken können: „Ihm/ihr wird's schon gut gehen“?
Facebook und Co und überhaupt das ganze Web 2.0 haben zugegebenermaßen etwas furchtbar Praktisches an sich: Wenn das Fernweh zu langen Reisen in entlegene Welten ruft, ist ein Blog das einfachste Mittel, um die Liebsten und die, die es sonst noch interessieren mag, stets an Ereignissen, Erlebnissen und Erkenntnissen teilhaben zu lassen.
Aber ist es im alltäglichen Leben nicht viel schöner und tatsächlich auch zeitsparender, dem Menschen, an dem einem wirklich etwas liegt, eine Mail zu schreiben oder gar etwas Altmodisches wie einen Brief?