Noch sind die 90 Millionen Euro, welche die Uni Tübingen aus der Exzellenz-Initiative zu erwarten hat, nicht verteilt. Doch der Elite-Status zeigt schon Wirkung: Die Uni spürt eine neue Außenwahrnehmung.
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Ulrike Pfeil
Tübingen. Uni-Rektor Bernd Engler übte sich bei der Vorstellung des Jahresberichts im Senat gestern in Understatement: Man könne das Jahr als ein „wirklich erfolgreiches“ bezeichnen, sagte er über die Berichtsperiode, in der Tübingen dank des Erfolgs im Exzellenz-Wettbewerb in den Zirkel der deutschen Elite-Unis aufstieg.
Bernd EnglerArchivbild: Uni
Obwohl die Uni in den paar Monaten seit Juni 2012 nicht wesentlich besser geworden sein kann, als sie vorher war, mache sich der Exzellenz-Effekt bereits als nationaler und internationaler Image-Gewinn bemerkbar: „Wir werden beachtet und in unserer Leistungsfähigkeit wahrgenommen“, sagte Engler.
Die Uni spürt das am gewachsenen Interesse von renommierten ausländischen Kooperationspartnern, aber auch bei Firmen und Stiftungen. „Man wird mehr angesprochen“, bestätigte Informatik-Professor Wolfgang Rosenstiel als Sprecher der Dekane im Senat.
Engler würdigte die besondere Bedeutung des neurowissenschaftlichen Schwerpunkts und der Empirischen Bildungsforschung für den Exzellenz-Erfolg und das Profil der Uni. Vor allem die Neurowissenschaften, die bereits die Ansiedlung weiterer Institute in Tübingen zur Folge hatten, böten beste Voraussetzungen für eine „langfristige institutionelle Bundesförderung“ über die auf fünf Jahre befristeten Exzellenz-Mittel hinaus. Die Bildungsforschung, bei manchen anfangs umstritten, sei binnen kurzem eine „Top Adresse“ gegeworden.
Dem Rektor ging es aber auch darum, Befürchtungen zu zerstreuen, dass die Uni sich mit den Exzellenz-Fächern auf Kosten anderer profiliere. Sie dürfe sich nicht „nicht auseinanderdividieren lassen in Verlierer und Gewinner – alle können gewinnen“, betonte Engler. Das Zukunftskonzept der Uni sei bei den Exzellenz-Gutachtern ausdrücklich als Bekenntnis zur Voll-Uni gut angekommen.
Gerade die Erfolge der Geistes- und der Sozialwissenschaften bei Drittmittel-Einwerbungen zeigten, dass diese Fächer nicht zu vernachlässigen seien. (Ihr Anteil stieg 2011 auf 20 Prozent und war wesentlich für den Gesamtzuwachs um fast neun Millionen auf 128 Millionen Euro verantwortlich.) Angesichts der weiterhin „nicht ausreichenden“ Grundfinanzierung der Uni durch das Land wünschte Engler sich freilich noch mehr aus solchen Forschungs-Fördertöpfen.
Insgesamt fand der Rektor seine Uni in einem „sehr guten Zustand“, nachdem sie auch die historische Höchstzahl von 28 000 Studierenden im vergangenen Wintersemester gut bewältigt habe. Sein Lob für die „Teamleistung“ kam im Senat gut an: Es gab lebhaften Applaus, kein Wort der Kritik.
Info: Der Jahresbericht, eine reich bebilderte Broschüre mit 117 Seiten, steht zum Herunterladen auf der Uni-Homepage (www.uni-tuebingen.de) oder kann in der Druckversion bei der Stabsstelle Hochschulkommunikation (0 70 71 / 2 97 78 51) bestellt werden. Eine englische Ausgabe ist in Arbeit.
Gleichstellung: Nachwuchsquote, neue Ehrensenatorin
Schon lange sind Frauen bei den Studierenden deutlich die Mehrheit. Der Jahresbericht zeigt, dass sie auch bei den Abschlüssen vorne liegen und in den Naturwissenschaften inzwischen fast gleichziehen. In Medizin haben sie die Männer bei den Promotionen deutlich überholt. Wie im Antrag zur Exzellenz-Initiative versprochen, will die Uni auch wissenschaftliche Frauen-Karrieren gezielt fördern: Bei den Neuberufungen von Professoren wird ein Frauenanteil von mindestens 30 Prozent angestrebt; bei den Nachwuchsgruppen und Postdocs gilt die Vorgabe 60 bis 70 Prozent Frauen. Nach der Bewerbungslage sei es kein Problem, hervorragende Wissenschaftlerinnen zu finden, sagte Rektor Engler. Er kündigte auch die Ernennung einer weiteren Ehrensenatorin an. Unter den 32 Ehrensenatoren der Tübinger Uni ist die Unternehmerin Nicola Leibinger-Kammüller bisher die einzige Frau.
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