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Das Herz schlägt in Tübingen

Uni-Zentrum für Datenverarbeitung wird Dienstleister für Bibliotheken

Wer künftig ein wissenschaftliches Buch ausleihen will, bekommt es mit Tübingen zu tun. Das gilt bald für 50 wissenschaftliche Bibliotheken in Baden-Württemberg. Deren elektronisches Herz schlägt im hiesigen Zentrum für Datenverarbeitung.

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Hans-Joachim Lang
Nicht größer als 30 auf 30 Zentimeter: Über 16 Blade-Server lässt sich das Bibliothekssystem ... Nicht größer als 30 auf 30 Zentimeter: Über 16 Blade-Server lässt sich das Bibliothekssystem von 50 Bibliotheken steuern. Bild: Zentrum für Datenverarbeitung

Tübingen. Woche für Woche hängt sich derzeit eine neue Bibliothek an. Diese Woche die Hochschule für Technik, Wirtschaft und Gestaltung, vorige Woche die Hochschule für Technik in Stuttgart. Voraussichtlich am 20. Juni kommt die Tübinger Universitätsbibliothek (UB) an die Reihe.

Wer im Moment ein Buch bei der UB bestellt, muss sich im Bibliothekssystem noch durch unterschiedliche Benutzeroberflächen klicken. Die Bibliotheksverwaltung ihrerseits hat getrennte Softwaresysteme für den Erwerb, für den Katalog und für die Ausleihe. An den Uni-Bibliotheken in Stuttgart und Freiburg beispielsweise hat man wieder eigene Systeme.

Einfacher wäre es, wenn alle nach dem gleichen Modell arbeiten würden. Und die Bibliotheken könnten noch effizienter wirtschaften, wenn nicht überall die gleiche Technik vorgehalten werden müsste. Genau dies war vor zwei Jahren der Grund, warum sich eine überregionale Arbeitsgemeinschaft auf ein gemeinsames System einigte, das alle diese (und noch viel mehr) Vorteile vereint: das Integrierte Bibliothekssystem (IBS). Vor wenigen Wochen hat die Hochschule Offenburg dieses landesweite Buchverwaltungssystem als erste in Betrieb genommen. Koordiniert wird es von dem Kommunikations- und Informationszentrum der Universität Ulm. Für die Bereitstellung der technischen Infrastruktur ist das Zentrum für Datenverarbeitung an der Universität Tübingen zuständig.

Da die Software-Programme der meisten wissenschaftlichen Bibliotheken in die Jahre gekommen sind, bot sich die Chance, einen lange gehegten Wunsch nach Vereinheitlichung zu verwirklichen. Bislang waren ähnliche Vorstöße an den Mikrokosmen der verschiedenen Bibliotheken gescheitert. Prof. Thomas Walter, Leiter des Tübinger Zentrums für Datenverarbeitung, schwärmt von den Vorteilen der Zusammenarbeit auf allen Ebenen. Sie zahlt sich auf verschiedene Weise aus. „Es muss nun nicht mehr jeder den selben Fehler machen“, scherzt Thomas Walter. Denn für das Betriebssystem ist an zentraler Stelle ein Spezialist zuständig, es müssen sich nicht mehr an jedem Standort Leute einarbeiten.

Zu dem Bibliotheks-Konsortium, das sich auf die Dienstleistung aus Tübingen einlässt, gehören die Universitätsbibliotheken Tübingen, Ulm, Stuttgart, Hohenheim und Freiburg, die Württembergische und die Badische Landesbibliothek sowie 43 kleinere wissenschaftliche Bibliotheken von Hochschulen, die vom Bibliotheksservice-Zentrum Konstanz betreut werden. Das gesamte Landesprojekt ist auf vier Millionen Euro veranschlagt. Voraussichtlich Anfang nächsten Jahres werden alle Bibliotheken umgestellt haben.

Die Tübinger Datenverarbeiter betreten mit dem Projekt Neuland. Walter: „Erstmals werden wir unsere Dienste nicht nur in Tübingen anbieten.“ Bereits mit Erfolg. „Was wir bisher sehen, läuft richtig gut.“

25.03.2011 - 08:30 Uhr
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