Am Donnerstagmorgen standen 100 Polizisten vor dem Kupferbau der Universität Tübingen: Seit vergangenger Woche hatten Studierende den größten Hörsaal des Kupferbaus besetzt gehalten. Als die Einsatzhundertschaft aus Böblingen kam, verließen die Besetzer den Saal. Am Mittag zogen dann etwa 500 Demonstranten durch die Innenstadt und forderten eine Reform der Bildungspolitik.
Tübingen. Um 7 Uhr war am Morgen das Ultimatum abgelaufen, das den Studierenden am Mittwochabend von Universitätsrektor Bernd Engler gestellt worden war. Er hatte den Besetzern den Hörsaal in der alten Physik als Ausweichplatz angeboten, was vom Plenum jedoch noch in der Nacht abgelehnt worden war.
Ein Polizist steht nach der Räumung vor dem Hörsaal: Mittwochnacht hatten dort noch rund 700 Studenten ausgeharrt.Metz
Engler hatte Druck gemacht, weil der Südwestrundfunk den Kupferbau für die SWR 3-Party-Nacht am Samstag gemietet hat. Der SWR dementiert in einer Pressemitteilung einen Zusammmenhang: Die Räumung des Hörsaales sei "die alleinige Entscheidung der Universität" gewesen. Der Sender habe ein solches Vorgehen weder gefordert noch veranlaßt. Auch habe es während der Besetzung keinen Kontakt zwischen Universität und SWR3 gegeben. Auch gebe es keine Vertragsstrafe für die Universität, falls der Saal am Samstag für die Party nicht genutzt werden könne.
Die Besetzer protestieren gegen die schlechten Studienbedingungen und fordern eine Abschaffung der Studiengebühren. Einige Studiengänge an der Tübinger Uni sind völlig überlaufen - Germanistik, Romanistik und Amerikanistik wurden überrannt, nachdem die Zulassungsgeschränkungen aufgehoben worden waren.
Als am frühen Morgen dann die Polizei anrückte, räumten die noch etwa 200 Studierenden den Saal. Sie zogen friedlich durch die Stadt bis zum Marktplatz, wo sie eine spontane Kundgebung abhielten. Dort löste sich die Gruppe auf.
Gegen 13 Uhr kamen dann etwa 500 Demonstranten an den Kupferbau. Von dort zogen sie über die neue Aula und den Holzmarkt zum Marktplatz. "Bildung für Alle" wurde ebenso skandiert wie "Wir sind laut, weil man uns die Bildung klaut" wurde skandiert, "Baden-Württemberg - Wir können alles außer Bildung" stand auf dem Fronttransparent.
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