Von Anfang an zeigte der Tübinger Oberbürgermeister Boris Palmer ein gewisses Unverständnis für die studentischen Proteste gegen das Party-Verbot im Clubhaus an der Wilhelmstraße. Bei den Studierenden kommt das nicht gut an.
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Ulrike Pfeil
Die Clubhausfeste an der Wilhelmstraße waren während des Semesters jeden Donnerstag die traditionelle (und außerhalb Tübingens legendär überhöhte) Feier- und Kontakt-Gelegenheit vor allem für jüngere Studierende. Bekanntlich wurde nun das Clubhaus in diesem Wintersemester aus Gründen des Brandschutzes und der Statik sehr plötzlich für diesen Zweck geschlossen. Die Studenten gingen erst zu „Kein-Clubhaus-Festen“ auf die Straße und belästigten Anwohner mit dröhnenden Boxen; später, nach einem Kompromiss mit der Uni-Leitung, verzogen sich die Feste in den Kupferbau.
Palmer äußerte sich zuletzt beim Auftritt des französischen Globalisierungskritikers Stéphane Hessel abschätzig über die Studierenden. Tenor: Sie sollten lieber mit der Occupy-Bewegung gegen internationale Banken und Konzerne demonstrieren als für ihre hedonistischen Party-Interessen.
Das bringt nun die Tübinger Hochschul-Jungsozialisten gegen den Grünen auf. Palmer, so kritisieren sie in einer Presseerklärung, habe wohl den politischen Hintergrund des Party-Protests nicht verstanden: Mit dem Erlös aus den Festen werde nämlich die Arbeit von Hochschulgruppen und Fachschaften finanziert. Mit dem Clubhaus verbinden die Studierenden ein demokratisches Erbe: Das Gebäude aus den 1950er Jahren war ein Geschenk des amerikanischen Senats, mit dem nach dem Zweiten Weltkrieg die Demokratisierung an der Hochschule gefördert werden sollte. Dass es mit der Abschaffung der verfassten Studentenschaft 1977 durch die Regierung Filbinger der Universität übereignet wurde, ist selbst viele Studentengenerationen später nicht vergessen – diese Schmach wurde unter den politisch organisierten Studierenden stets lebendig gehalten.
Palmer, so schreiben nun die Uni-Jusos etwas umständlich, habe „die in Bezug auf Bürgerbeteiligungen in ihn gesetzten Hoffnungen bitter enttäuscht“: Anscheinend akzeptiere er Bürgerbewegungen nur dann, wenn deren Anliegen auch das Seinige sei: gegen Stuttgart 21 gut, Occupy gut, Clubhaus und Fêten schlecht.
Trost und Drohung: Die Jusos geben Palmer noch eine Chance, sein Bild in ihren Köpfen zu „revidieren“. Wenn die Renovierungsarbeiten am Clubhaus aber nicht bald anlaufen, so ihre Warnung, könnte der Sommer für ihn heiß werden. Zu dumm für Palmer: Mit dem baulichen Zustand des Clubhauses hat er gar nichts zu tun. Das ist Sache der Landes-Baubehörde.
Allerdings könnten sich auch die Jusos fragen, mit welcher Art von Protest sie die Bürger und deren öbersten Palmer auf ihre Seite bringen. Empörung in der altbackenen Form einer Presseerklärung klingt doch – na? Genau: nach konventioneller Parteipolitik.