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Sitzstreik im Hörsaal

Studenten besetzen aus Protest Räume an den Universitäten

In Tübingen und Heidelberg besetzen Studenten Hörsäle. Sie wollen ihren Protest gegen Missstände an den Universitäten zum Ausdruck bringen.

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RAIMUND WEIBLE PETRA WALHEIM

Tübingen/Freiburg Aus dem Hörsaal 25 im Tübinger Vorlesungszentrum Kupferbau dringt Musik der Rockband "Doors". Auf dem Gang hinter der obersten Sitzreihe liegen Schlafsäcke. "Ziemlich hart, auf dem Boden zu schlafen", sagt Christin Gumbinger. Die Biologie- und Medizinstudentin mit absolviertem Philosophiestudium zählt zu den Aktivistinnen, die seit Donnerstag den Hörsaal rund um die Uhr besetzt hält. Sie haben sich der Protestaktion der österreichischen Kommilitonen angeschlossen. "Der Wiener Funke entwickelt sich zum Flächenbrand", überschreiben die Kupferbau-Besetzer ihre Mitteilung an die Medien.

Was die Teilnehmer nervt, ist die Überlastung etlicher Studiengänge an der Universität Tübingen. Die Hochschulleitung sei völlig überrascht worden vom Zulauf bei der Germanistik, Romanistik und Amerikanistik, nachdem die Zulassungsbeschränkung aufgehoben worden war. Die Kritik der Aktivisten richtet sich hauptsächlich an das Land. Gumbinger bemängelt aber auch den mangelnden Einfluss der Hochschule auf die Regierung.

Die Teilnehmer der Hörsaal-Besetzung wechseln sich ab. Es ist ein Kommen und Gehen. In Arbeitsgruppen diskutieren sie die von ihnen ausgemachten Mängel in der Bildungspolitik: die soziale Ungleichheit im Bildungssystem, die chronische Unterfinanzierung der Universitäten. Ab kommenden Donnerstag ist eine 72-Stunden-Dauervorlesung geplant: "Wenn es geht, auch länger."

Die Freiburger Studierenden beteiligen sich ebenfalls am Bildungsstreik, allerdings ohne Hörsaal-Besetzungen. Darüber informiert Maggie Jaglo vom U-Asta, der Studierendenvertretung in Freiburg. Vielmehr planten sie Aktionen wie alternative Vorlesungen oder Abende für die Eltern von Schülern, in denen über die Mängel im Bildungssystem informiert wird. "Wir erklären uns solidarisch mit den Studierenden in Heidelberg, Tübingen und Wien", sagt Maggie Jaglo. In einer Vollversammlung am 16. November soll entschieden werden, in welcher Form sich die Studierenden weiter am Bildungsstreik beteiligen.

10.11.2009 - 08:30 Uhr
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