Ethnologie und Militär
Streit zwischen Friedensgruppen und Lehrenden um Uni-Zivilklausel
Verstößt ein Seminar über „Angewandte Ethnologie und Militär“ gegen die Zivilklausel der Uni? Mitglieder von Friedensinitiativen drohen mit Störungen.
Hans-joachim lang
Tübingen. Mitglieder von einem Dutzend Friedensgruppen sehen die Zivilklausel der Universität unterhöhlt, wenn ein Seminar stattfindet, das Studierenden im Hauptstudium Ethnologie angeboten wird. Die mit dem Seminar beauftragte Dozentin, Dr. Monika Lanik, ist ausgebildete Ethnologin und als Oberregierungsrätin beim Amt für Geoinformationswesen der Bundeswehr beschäftigt.
„Sie wird Methoden darlegen, wie Ethnologen bei Konflikten wie in Afghanistan für die Streitkräfte unterstützend tätig werden können, um solche Kriege führ- und gewinnbar zu machen“, argwöhnen die Unterzeichner eines Offenen Briefs an die Uni-Leitung und die Ethnologie-Abteilung an der Tübinger Uni. Ethische Fragestellungen in dieser Veranstaltung seien nachgeschoben worden und werden als Feigenblatt empfunden. Obendrein habe das Seminar wegen der insgesamt wenigen Lehrveranstaltungen „einen gewissen Pflichtcharakter“ und trage „deutliche Züge einer Rekrutierungsveranstaltung“ für die Bundeswehr.
Die Lehrenden der Ethnologie-Abteilung widersprechen den Behauptungen einer tendenziös betriebenen Seminarveranstaltung. Es gehe vielmehr darum, „ein informiertes Bild über die Methoden- und Ethikdiskussion des aktuellen Einsatzes von Ethnologen im Militär zu erarbeiten“, heißt es in der offenen Antwort, die von Prof. Roland Hardenberg, der Professur-Vertreterin Dr. Sabine Klocke-Daffa und der Wissenschaftlichen Mitarbeiterin Dr. Shahnaz Nadjmabadi unterschrieben ist.
Hingewiesen wird auf eine im Fach Ethnologie seit Jahren geführte Ethik-Debatte, aus der eine Ethik-Erklärung hervorging, an der Nadjmabadi als damaliges Vorstandsmitglied der Deutschen Gesellschaft für Völkerkunde mitgewirkt hat. Außerdem habe sie im vorigen Oktober zu dem Thema eine Podiumsdiskussion veranstaltet, an der Monika Lanik teilnahm und sich interessiert zeigte, mit diesen Fragen wissenschaftlich auseinanderzusetzen. „Dies hat Frau Dr. Nadjmabadi zum Anlass genommen, sie zu einem Lehrauftrag (. . .) einzuladen und dies wurde von der Abteilung unterstützt“, heißt es in dem Brief.
Schließlich betonen die Lehrenden, dass Laniks Seminar mit einer vierstündigen Infoveranstaltung beginne, an der Kritiker wie Dr. Volker Harms teilnehmen und Ethnologie-Studierende zu eigenen Beiträgen und Statements eingeladen seien.