Roboter mit Armen, Beinen und Augen schultern Kaffeesäcke
Bisher werden Kaffeesäcke aus Containern manuellentladen. Ein internationales Forschungsprojekt sollRoboter für diese Aufgabe entwickeln. Initiator ist die Business School ESB derHochschule Reutlingen.
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Matthias Reichert
So könnte es einmal in den Logistikzentren aussehen: Roboter entladen Kaffeesäcke von Übersee.Bild: Hochschule
Reutlingen. 15 Millionen Container werden im Jahr von Hand für den europäischen Markt entladen. Natürlich soll das neue Projekt auch die Personalkosten senken. „Der Containerlogistik steht eine Industrialisierung bevor“, sagt Prof. Wolfgang Echelmeyer. Er leitet die 2009 gegründete Logistikfabrik an der ESB. Sie soll Forschung, Beratung und Lehre verbinden.
„Von der Mechanik und Sensorik her gibt es schon einiges.“ Die Roboter sollen Beine bekommen, damit sie in den Containern laufen können, Arme mit Greifern, Augen mit Sensoren und elektronische Hirne mit kognitiver Steuerung. Da die Säcke in den Containern oftmals unordentlich gestapelt sind, müssen die Roboter eine Vielzahl unterschiedlicher Objekte dreidimensional erkennen können. Sie sollen es auch bemerken, wenn die Kaffeesäcke beim Transport nass geworden oder kaputt gegangen sind. Die Roboter sollen „in der Lage sein, intelligente Entscheidungen zu treffen“, sagt Mit-Koordinatorin Alice Kirchheim. „Das wird die Logistik verändern“, glaubt Echelmeyer.
Grundlagenforschung werde freilich nicht geleistet. „Unser Ziel ist, Systeme zu entwickeln, die marktfähig sind“ – und für vielleicht 100 000 bis 150 000 Euro auch erschwinglich sind, sagt der Professor. „Wir schauen genau, was es für Systeme gibt.“ Echelmeyer selbst hat für die Post schon Roboter entwickelt, die Pakete greifen können. Die Stückgut-Logistik, weiß der Professor, „ist ein gewachsenes System“ mit sehr traditionellen Strukturen. Echelmeyer schränkt die Chancen der Rationalisierung denn auch ein: „Wir werden in fünf oder zehn Jahren keine hundertprozentige Automatisierung haben. Aber vielleicht in 20 oder 25 Jahren.“
Die ESB ist Initiator und Koordinator des internationalen Forschungskonsortiums, an dem sieben Partner beteiligt sind – Hochschulen aus Bremen und Örebro in Schweden sowie Kaffee-Importeure aus Dänemark und Bremen. Dieser Tage ist das „Kick-off-Treffen“ in Bremen geplant. Das Projekt RobLog ist auf vier Jahre angelegt. Dann soll ein Prototyp vorführen, wie die Säcke entladen werden. Anschließend soll ein marktfähiges Produkt entwickelt werden.
Gesamtbudget von 7,89 Millionen Euro
Auftraggeber ist die Europäische Kommission. Das Projekt hat ein Gesamtbudget von 7,86 Millionen Euro. Davon werden 5,6 Millionen über EU-Forschungsgelder finanziert, den Rest tragen die einzelnen Partner. „Das wird ein Leuchtturm der Betriebswirtschaft“, glaubt ESB-Dekan Prof. Ottmar Schneck.
Und der Hochschule hilft das Projekt bei der angewandten Forschung, meint Präsident Prof. Peter Nieß. Denn im Bologna-Prozess müssten die Masterstudierenden verstärkt forschungsorientiert ausgebildet werden. Geplant ist ein Austausch mit Örebro, weiter will die Reutlinger Hochschule Doktoranden in die Forschung einbinden und exemplarische Themen des Projekts in die Lehre integrieren.