Rektorat unterstützt fast alle Forderungen der protestierenden Studenten
25 Forderungen hatte die Vollversammlung der protestierenden Studenten. Die meisten will das Rektorat erfüllen, so es in seiner Macht steht.
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Mario Beisswenger
Rektor Bernd Engler und Prorektorin Stefanie Gropper traten sehr gut aufeinander abgestimmt auf bei der Vollversammlung der protestierenden Studenten am Montagabend im Kupferbau. So harmonisch wirkten sie, dass sie gar als „Herr Engler und Frau Engler nehmen Stellung zu den Forderungen“ im Protokoll stehen. Bild: Metz
Tübingen. Es war eine bunte Mischung an Forderungen, die das Plenum der Kupferbau-Besetzer vergangene Woche ans Rektorat geschickt hatte: Sie forderten unter anderem organisatorische Verbesserungen der Studiengänge, etwa die Abstimmung der Vorlesungszeiten und einen leichteren Hochschul-Zugang für Nicht-Abiturienten. Die tarifliche Höhergruppierung der Hochschul-Sekretärinnen gehörte ebenso zu ihren Anliegen wie die Forderung, militärische Forschung auszuschließen.
Fast allem stimmten Uni-Rektor Bernd Engler und Prorektorin Stefanie Gropper zu, als sie am Montagabend im besetzten Kupferbau-Hörsaal zu der Forderungsliste Stellung nahmen. Die Zivilklausel? „Den Antrag können wir im Senat stellen“, sagte Engler. Höhergruppierung? Da arbeite das Rektorat dran, kämpfe aber mit den Tücken des Dienstrechts. Nicht mal Zeitverzögerung ließ sich Engler vorwerfen: „Wir wollen nichts auf die lange Bank schieben. Das sind nicht nur Ihre Interessen. Wir wollen die Studierfähigkeit unserer Studiengänge.“
Der Rektor versprach zwar nicht alles, den Bestand des Clubhauses garantierte er nicht, aber ein Ort zur Wahrnehmung studentischer Interessen müsse es auch nach dessen möglichen Abriss geben. Bei der Offenlegung der Finanzierungsstruktur der Uni wollte Engler nicht so weit gehen wie die Protestler. Aber etwas transparenter könnte schon alles werden.
Die Studierenden handelten Gropper eine Art Maßregelverbot ab. Für die Zeit der Uni-Proteste soll die Anwesenheitspflicht für Veranstaltungen aufgehoben werden. In einem Rundbrief des Rektorats will sie alle Lehrenden darüber unterrichten. Die beim Bachelor-Studium strikte Anwesenheitspflicht, „ist der blödeste Kram, der entwickelt wurde“, sagte einer der etwa 180 Versammelten. Selbst da stimmte Gropper weitgehend zu. Anwesenheitslisten bei Vorlesungen kamen ihr sinnlos vor, in Seminaren seien sie dagegen angebracht. Dem Argument „Wenn das Seminar gut ist, dann gehen die Studis auch auch hin“, konnte sie sich nicht ganz verschließen. „Da stimmen wir im Prinzip mit ihnen überein.“ Leider seien aber nicht alle Angebote richtig gut. „Wir haben nicht immer die Qualität der Veranstaltungen, die wir uns wünschen.“
Schon während der Diskussion äußerte ein Student Zweifel, ob das Rektorat der richtige Ansprechpartner ist: „Wir haben an das unwichtigste Gremium geschrieben. Wer ist eigentlich zuständig?“ Das Sitzungsprotokoll vermerkte: „Rektorat eigentlich nicht unser Adressat, Finanzierung nicht gegeben, Druck muss aufs Land ausgeübt werden.“