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Roter Faden Selbstbewusstsein

Philosophie-Professor Manfred Frank hielt seine Abschiedsvorlesung

Manfred Frank habe die Tübinger Philosophie mit Akzenten versehen, die weit über den Standort ausstrahlen, ließ Uni-Rektor Bernd Engler ausrichten. Anlass für das bilanzierende Lob: Der Philosophie-Professor hielt seine Abschiedsvorlesung.

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Wolfgang Albers
Aus Überzeugung Jüngeren Platz machen: Manfred Frank.  Bild: Metz Aus Überzeugung Jüngeren Platz machen: Manfred Frank. Bild: Metz

Tübingen. Im April 1987 trat Manfred Frank seinen Dienst am Philosophen Seminar an. Der gebürtige Wuppertaler hatte da schon an den Universitäten Düsseldorf und Genf gelehrt und Rufe der Universitäten Bielefeld und Davis (Kalifornien) erhalten.

23 Jahre ist Manfred Frank Tübingen treu geblieben, auch bei einem Ruf der Friedrich-Schiller-Universität Jena im Jahr 1997. Ebenso ehrend wie dieses Abwerbe-Interesse: Die Ehrendoktorate der ungarischen Universität Pecs und der rumänischen Universität Cluj.

Akademische Ehren, die Rektor Bernd Engler in einem Grußwort in Erinnerung rief. Engler selbst konnte nicht kommen, aber sonst war das Audimax der Uni am Donnerstag gut gefüllt mit Studierenden und Gästen. Dekan Georg Schild verlas das rektorale Lob: „Die Universität verliert einen Forscher und Gelehrten, der bei Novizen und Fortgeschrittenen manchen Geistesblitz ausgelöst hat.“

Und der eine beeindruckende Publikationsliste aufweise. Eine noch offene, hofft Engler: „Möge er den Ruhestand durch manch kluges Buch in Unruhe versetzen.“

Vermissen werden Manfred Frank auch die Studierenden. Montag morgen, Hörsaal zwei, Vorlesung Frank – das war eine Tübinger Philosophie-Konstante. Und an eine andere erinnerten sie mit ihrem Abschiedsgeschenk: einem Rauchen-Verboten-Schild wie in eben jenem Hörsaal. „Das hat Professor Frank in jeder Vorlesung angesprochen“, erklärte der Sprecher einer 13-köpfigen Studierenden-Gruppe, die sich am Vorlesungspult aufgereiht hatte. „Daran hat uns Professor Frank die ganze Philosophie erklärt.“

Zentrum des wissenschaftlichen Wirkens von Manfred Frank war die Beschäftigung mit dem Phänomen des Selbstbewusstseins. „Ich bin da monoman, habe immer diesen roten Faden“, gab Frank selbst zu. Dies sei auch eine Weise, der Geschichte zu trotzen: „Man bleibt dabei.“

Und so blieb Manfred Frank auch in seiner Abschiedsvorlesung bei diesem Thema. Er führte dabei auch Aussagen früherer Denker, etwa aus dem 19. Jahrhundert, an – in bewusster Abgrenzung zu einer Haltung, die er so beschrieb: „Es gibt das Gefühl der Überlegenheit des Jüngsten – auch bei Professoren, die sich weigern, Bücher zu lesen, deren Erscheinen länger als zwei Jahre zurück liegt.“

Es sind sicher auch solche Bonmots, die seine Hörenden vermissen werden. Aber das ist unwiderruflich. „Ich wäre gerne geblieben“, sagte Manfred Frank. „Aber dann wäre ich in Konflikt gekommen mit meiner Überzeugung, dass die Älteren den Jüngeren, die auf ihre Chance warten, Platz machen sollten.“

Und auch zu diesem Bekenntnis nutzte Manfred Frank seine letzte Vorlesung: „Ich habe mich hier sehr wohl gefühlt. Das ist eine Liebeserklärung an die alte Philosophisch-geschichtliche Fakultät.“ Die geht nämlich jetzt in einer Groß-Fakultät auf – und das erinnert den Scheidenden an seine Düsseldorfer Zeiten: „Unregierbarkeit“ fällt ihm dazu ein.

03.07.2010 - 08:30 Uhr | geändert: 03.07.2010 - 08:43 Uhr

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