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Aus dem Leben der Besetzer

In Freiburg ist der Protest der Studenten straff organisiert

Freiburgs größte, aber gut organisierte WG ist die Uni: Dort verbringen derzeit viele Studenten Tag und Nacht im besetzten Hörsaal - aus Protest.

DOREEN FIEDLER, DPA

Freiburg Mehr als 1000 Hände werden in die Höhe gestreckt, sie wedeln zustimmend. Dazwischen: Einzelne Studenten, die den Redebeitrag aus der großen Runde nicht gutheißen - sie ballen entschlossen ihre Fäuste und kreuzen die Arme über dem Kopf. Im größten Vorlesungssaal der Universität Freiburg diskutieren bereits seit Tagen bis zu 800 Studenten nach ganz eigenen Regeln miteinander.

Die basisdemokratische Debatte geht an diesem Abend mal wieder bis weit nach Mitternacht. An normalen Tagen wäre die Uni längst geschlossen - doch dieser Hörsaal ist seit Montag besetzt.

Das Rektorat toleriert die Besetzung. Beim zweiten großen Plenum hatte ein Student deswegen gefordert: "Besetzer klingt so negativ. Eigentlich sind wir hier Bewohner und sollten uns auch so nennen." Ein protesterfahrener Student staunt: "Es ist unglaublich, wie gut hier alles organisiert ist". Bei einer Besetzung vor vier Jahren habe nur ein kleines Grüppchen "das große Chaos" durchgehalten. "Offenbar zeigt das klar strukturierte Bachelor-Studium schon seine Wirkung."

Tagsüber leert sich die Groß-WG: Die Fleißigen (oder diejenigen mit Anwesenheitspflicht) unter den Besetzern eilen in ihre Vorlesungen und Seminare. Andere studieren mit dicken Fachbüchern oder Laptops lieber im besetzten Saal.

Jeden Tag um 17 Uhr kommen dann wieder viele Besetzer zusammen und laufen vor die Tür. Mit Trommeln, Topfdeckeln, Löffeln oder Schüsseln "informieren" sie die Stadt lautstark über ihren Protest. Kaum wieder drinnen, geht es weiter im Programm: Es beginnt die Rückengymnastik.

Geschlafen wird wenig. Jede der bisherigen Vollversammlungen dauerte von 20 Uhr bis weit nach 2 Uhr . Mehr als einhundert Studierende bleiben auch danach im Hörsaal, breiten ihre Isomatten aus oder tragen Matratzen herein. "Wir kommen zum letzten Tagesordnungspunkt", spricht jemand kurz vor 3 Uhr sanft ins Mikrofon. "Alle, die jetzt noch etwas besprechen wollen, verlassen bitte den Saal. Den anderen wünsche ich eine gute Nacht." "Gute Nacht", schallt es aus allen Ecken zurück.

Internetseite zur Kupferbau-Besetzung

20.11.2009 - 08:30 Uhr | geändert: 23.11.2009 - 14:18 Uhr
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