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Weg mit der Schreib-Blockade

Die Uni tut etwas gegen das Hinausschieben von Hausarbeiten

Studieren ist mit Schreiben verbunden. Weil sich viele Studierende damit schwer tun, hat die Uni Tübingen jetzt ein Schreibzentrum gegründet. Am 1. März stellt es sich mit einer „Langen Nacht der aufgeschobenen Hausarbeiten“ vor.

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Ulrike Pfeil
Rosita Frei Rosita Frei

Tübingen. Es gibt keine Zahlen darüber, wie viele Studierende jedes Semester den Abgabetermin für ihre Haus-, Bachelor- und andere schriftliche Arbeiten verlängern, aber die Schreibhemmung ist zweifellos ein verbreitetes Phänomen. Ehe man tagelang vor dem leeren Laptop-Bildschirm verzweifelt, kann man sich künftig an das Schreibzentrum der Universität wenden. Im Oktober haben die Informationsmanagerin Rosita Frei und der promovierte Germanist Matthias Beilein provisorische Räume in der Hölderlinstraße 11 bezogen. Finanziert wird das Schreibzentrum aus Bundesmitteln für Studium und Lehre .

Matthias Beilein Matthias Beilein

Das Schreibzentrum nimmt einem das Schreiben zwar nicht ab. Es steht den von Schreibblockade Geplagten aber mit Rat zur Verfügung, bald auch mit einem Stamm an Schreib-Tutoren. Und mit bewährten Anschüben: „Ach, Sie denken, Sie wissen gar nichts? Dann erzählen Sie doch einfach mal, was Sie schon an Material haben.“

Rosita Frei legt großen Wert darauf, dass das Schreibzentrum „diversitätsorientiert“ ist (ein Wort, das sich ausnahmsweise leichter schreibt als spricht). Die in Hildesheim ausgebildete Linguistin und Interkulturalistin will damit unterstreichen, dass jeder Mensch, ob Student oder Dozent (auch solche haben schon nachgefragt) seinen eigenen Zugang zum Schreiben finden muss.

Diversität bedeutet Verschiedenheit in jeder Hinsicht: Ein Kulturbegriff, der sich nicht nur auf Herkunftsländer bezieht, sondern auch auf Zugehörigkeiten, die von der Generation, dem Geschlecht oder dem Fach geprägt werden. „Juristen und Mediziner – das sind ja eigene Welten“, sagt Frei, die auch von „Lernkulturen“ spricht.

Man könne nicht feststellen, dass beim Schreiben Geisteswissenschaftler gegenüber Naturwissenschaftlern im Vorteil wären, meint Frei: Sie haben zwar den intensiveren Umgang mit Sprache, müssen aber dafür meist längere Texte abliefern. Naturwissenschaftler hätten mit eigenen Textsorten wie Laborberichten zu kämpfen; aber auch andere scheitern mitunter an einem Resümee von wenigen Zeilen.

Die erste Resonanz auf das Projekt der langen Schreibnacht in der Uni-Bibliothek hat Frei und Beilein bestätigt, dass der Bedarf vorhanden ist: Schon wenige Stunden nach Bekanntgabe waren auf Facebook mehr als hundert „Like“-Buttons geklickt. Inzwischen sind es an die 400, nebst Kommentaren wie „cool“ und „geil“.

Die Idee der Schreibnacht wurde erstmals 2010 an der Uni in Frankfurt an der Oder erprobt. Sie lief so gut, dass 2011 schon sechs deutsche Unis mitmachten. In diesem Jahr sind es zeitgleich 13, plus zwei in den USA. 900 Teilnehmer zählte die Uni Mainz bei ihrer Schreibnacht Anfang Februar. Party-Gefahr besteht laut Frei in der Tübinger UB auch bei großem Zulauf nicht: In den beiden großen Sälen des Lern- und Studienzentrums darf nicht gesprochen werden. Für Beratung und Gruppenarbeit gibt es einen eigenen Großraum samt Twitter-Wall, einer Projektion von Kurzkommentaren.

Die „lange Nacht“ ist für die ganze Uni gedacht. Nur die Mediziner machen dieses Mal noch ihren eigenen Stiefel: Deren Didaktikzentrum hatte bereits für den gestrigen Montag ein „Nightwriter“-Event angesetzt. Von 18 bis 24 Uhr bekamen Studierende und Doktoranden auf dem Schnaarrenberg an „Schreibinseln“ Tipps und Häppchen. Maria Lammerding-Köppel, die Leiterin des Zentrums, begründet den Extra-Termin mit der Semesterferien-Planung von Medizinern: „Die muss man erwischen, bevor sie in den Famulaturen sind.“ Nächstes Mal will man sich mit dem Schreibzentrum frühzeitig abstimmen. Privatbilder

1. März: Lange Nacht der aufgeschobenen Hausarbeiten
Von 18 Uhr am Donnerstag, 1. März, bis 6 Uhr am folgenden Morgen steht das neue Schreibzentrum in den Räumen der Universitätsbibliothek mit Beratung und Hilfestellung bei Schreibprojekten zur Verfügung, von der Haus- bis zur Doktorarbeit.
Im Rahmenprogramm sind Massagen und Entspannungsübungen mit dem Hochschulsport, eine Ausstellung schreibdidaktischer Literatur, Stärkung in der Cafeteria.
Auch wer zwischendurch ein Nickerchen braucht, findet dafür einen Platz (Iso-Matte oder Schlafsack mitbringen).
Spezielle Informationen und Betreuungsprogramme berücksichtigen die besonderen Bedingungen von behinderten und chronisch kranken Studierenden und von Studierenden mit Kind.


14.02.2012 - 14:30 Uhr | geändert: 12.03.2012 - 11:57 Uhr

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