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Trotz Räumung des Kupferbaus

Die Proteste gehen weiter

Gegen 6 Uhr fuhr gestern eine Hundertschaft Polizei am Kupferbau vor. Nach Aufforderung durch den Uni-Kanzler verließen 200 Besetzer friedlich das Hörsaalgebäude. Danach und nachmittags gab es Demonstrationen in der Stadt (Diskussion im Forum).

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Hans-Joachim Lang

Tübingen. „Wir sind auch weiterhin gesprächsbereit“, war Rektor Bernd Englers letztes Wort, ehe er am späten Mittwochabend den Kupferbau verließ. Eineinhalb Stunden später, exakt um Mitternacht, lief sein Ultimatum ab. Wer dann noch im Hörsaal 25 war, musste damit rechnen, von der Polizei entfernt zu werden.

Polizei auf dem Weg zum Einsatz gestern früh im Kupferbau.  Bild: Metz Polizei auf dem Weg zum Einsatz gestern früh im Kupferbau. Bild: Metz

Rund 700 Studierende hatten sich vorgestern Abend in dem besetzten Saal zu einem Plenum versammelt, nach den basisdemokratischen Regeln der Besetzer deren oberstes Beschlussgremium. Freie Plätze gab es keine mehr, auch nicht auf den Stufen, hinten standen weitere Zuhörer. Alle wirkten hoch konzentriert, Beifall artikulierten sie nicht durch Klatschen oder Klopfen, sondern lautlos durch Erheben der Arme mit lebhaftem Drehen der Hände.

Das Rektorat war komplett erschienen: Bernd Engler mit Prorektorin Stefanie Gropper, Prorektor Heinz-Dieter Assmann und Kanzler Andreas Rothfuß. Zu Wort kam der Rektor erst, als ein Vertreter des Arbeitskreises Lehramtsstudium Kritikpunkte vorgetragen hatte.

Der Rektor wiederholte seine Aufforderung vom Nachmittag, den Kupferbau-Hörsaal zu räumen, und erneuerte das Ausweichangebot an die Besetzer, auf der gegenüberliegenden Straßenseite im Hörsaal der Alten Physik Quartier zu beziehen. „Wir hindern Sie nicht, Ihre Ziele anderswo zu kommunizieren“, sagte Engler und wies noch auf die Foyers im Kupferbau und den Mensen hin. Aber: „Wir werden nicht hinnehmen, dass Sie Veranstaltungen verunmöglichen.“ Damit bezog er sich auch auf die SWR-Partynacht, die am Samstag einen ihrer Veranstaltungsorte im Kupferbau-Foyer hat.

„So nett das Angebot ist“, hielt ein Diskussionsredner dagegen, „die Alte Physik ist nicht geeignet“. Mit Kommilitonen habe er den Hörsaal inspiziert. Andere Redner sorgten sich, mit dem freiwilligen Auszug aus dem Kupferbau den Keim einer Niederlage zu bereiten. Viele empfanden den bisherigen Ort als besser geeignet, um ihren Forderungen Nachdruck zu geben.

In der Debatte wurden Möglichkeiten erörtert, wie die Räumung zu verhindern sei. „Ich brauche gute Vorschläge, die den Lehrbetrieb nicht behindern und die Partynacht nicht beeinflussen“, warb der Rektor. Letztlich scheiterten die Verhandlungen indes nicht an Anregungen, sondern an einem Plenum, das keinen in die Zukunft gerichteten Beschluss verbindlich fassen kann. Schon am nächsten Tag könnte eine neue Situation eingetreten sein, argumentierten die Vertreter der strengen Basisdemokratie. Was Engler als „bescheuertes Spiel“ bezeichnete, weil vom Rektorat seinerseits Verbindlichkeit erwartet werde.

Etwa 200 Besetzer verbrachten noch eine kurze Nacht im Kupferbau-Hörsaal. Gegen 5 Uhr wurden die ersten Zivilbeamte in der Umgebung gesichtet, bald darauf erschien die Polizei mit einer Hundertschaft an Ort und Stelle, eine weitere Hundertschaft hielt sich für den Konfliktfall im Hintergrund. Nach des Uni-Kanzlers Aufforderung verließen die Besetzer, die sich inzwischen ins Foyer begeben hatten, freiwillig den Kupferbau. Da kein Strafantrag gestellt worden war, wurden auch keine Personalien festgestellt.

In einer Pressekonferenz rechtfertigte das Rektorat die Räumung. Bernd Engler: „Das Rektorat hat großes Interesse, konstruktive Vorschläge der Studierenden zur Verbesserung der Studienbedingungen zu diskutieren.“ Die Demonstranten wollen ihre Proteste fortsetzen.

 

13.11.2009 - 08:30 Uhr | geändert: 27.01.2010 - 15:23 Uhr
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