Das Landesamt für Denkmalpflege hat seine Ausstellung im Tübinger Schloss ergänzt. Es zeigt seit heute eine weitere Goldperle aus dem Fürstinnengrab von der Heuneburg.
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Raimund Weible
Restauratorin Nicole Ebinger-Rist mit den beiden keltischen Goldperlen, die im Schloss Hohentübingen ausgestellt sind. Unten die neue.Bilder: Sommer
Tübingen. Selten hat die Öffentlichkeit an einer archäologischen Forschung so direkt teilnehmen können wie bei der Auswertung des Fürstinnengrabs von der Heuneburg. Schon ist von einer „Live“-Auswertung die Rede, denn wann immer die Restauratorinnen einen bedeutenden Fund in dem per Block ausgehobenen Kammergrab machen, informieren sie die Medien. Und das Landesamt stellt die Funde auch gleich nach der Freilegung aus.
Im Museum auf Schloss Hohentübingen zeigt das Landesamt, wie berichtet, seit Anfang Dezember unter dem Titel „Entdeckungen“ die aktuellen Funde der baden-württembergischen Archäologie. Zu den schönsten gehört der Schatz aus dem Fürsteninnengrab am Bettelbühl beim Keltensitz Heuneburg. Außerdem sind auch Funde von einem zweiten Bestattungsplatz zu sehen, in den ein Mädchen gebettet ist. Bisher gab es eine Goldperle aus dem Collier der Fürstin zu sehen. Doch bei der Arbeit an dem Ende 2010 en bloc ausgehobenen Kammergrab wurde eine weitere Perle geborgen, eine dritte kam ebenfalls zum Vorschein, wurde aber noch nicht entnommen.
Die zweite Perle ist seit heute erstmals in der Ausstellung zu sehen, direkt unter der Kopie des Westfrieses des Parthenon-Tempels. Chef-Restauratorin Nicole Ebinger-Rist hat sie gestern nach Tübingen gebracht. Alle drei Perlen sind nach etrurischem Vorbild gearbeitet. Ebinger-Rist ist begeistert von der Ausführung. „Das ist so fein, das würde man heute nicht besser machen.“ Und der Stil sei absolut zeitlos.
Noch ist unbekannt, wo der Schmuck entstanden ist. „Das kann auch ein Gastgeschenk eines Besuchers sein“, meint Grabungsleiter Dirk Krausse. Getragen wurde das Collier zusammen mit Bernsteinperlen.
Ebinger-Rist ist sich sicher, dass noch einige Goldfunde zum Vorschein kommen werden. Und sehr viel, allerdings weniger gut erhaltener Schmuck aus Bronze. Ganz sicher gehörten zu den Grabbeigaben auch Dinge aus Eisen, doch dieses Metall habe in dem feuchten Milieu keinen Bestand gehabt.
Erst am Donnerstagabend präparierten die Restauratorinnen in ihrem Ludwigsburger Labor weitere Dinge frei. Als sie ein Brett hoben, das über dem Skelett der Frau lag, wurde am Hüftbereich Bronzeblech sichtbar. An den Füßen fanden die Restauratorinnen Fußreife, ebenfalls aus Bronze. Außerdem stießen die Fachfrauen auf weiteres organisches Material. Von diesem erhoffen sich die Archäologen sehr viele Informationen über die Lebensweise der Kelten im sechsten Jahrhundert vor Christus. In dieser Zeit ist die Fürstin bestattet worden.
Vor allem das gefundene Holz hilft den Archäologen weiter. Es wird dendrochronologisch untersucht. Anhand der Jahresringe, so Krausse, lässt sich vermutlich eine klare, naturwissenschaftlich abgesicherte Aussage über das Alter des Bauholzes machen. Das hilft bei der Datierung weiter. Eventuell könne das Grab als Referenz bei der Bestimmung der Heuneburg-Chronologie herangezogen werden.
Nach allem, was bis jetzt entdeckt wurde, wagt Krausse die Aussage: „Dieses Grab ist nicht beraubt worden.“ Bisher hatte die Ausgräber irritiert, dass der Kopf der Frau vier Meter von dem Skelett lag. Das sprach für einen menschlichen Eingriff in das Grab, eventuell durch Grabräuber. Doch diese Dislozierung, so Krausse, könne auch mit natürlichen Gründen erklärt werden.
Das Fürstinnengrab verrät womöglich einiges über die soziale Stellung der Frauen auf der Heuneburg. Bisher wurde noch nie ein so reich ausgestattetes Grab einer keltischen Dame entdeckt. Offen ist noch, ob ihr ein Wagen beigegeben worden ist. Eberzähne an der südlichen Kammerwand deuten auf bestattete Pferde hin. Das Holz des Wagens, wohl nicht so widerstandsfähig wie die alten Eichendielen der Kammer, könnte sich aufgelöst haben.