Tübinger Forscher findet Belege für altägyptische Verschwörung
Dem Pharao wurde die Kehle durchgeschnitten
Eine Haremsverschwörung und den Mord an Pharao Ramses III. haben Wissenschaftler nachgewiesen, die Mumien im Ägyptischen Museum in Kairo untersucht haben. Zu dem Forscher-Team gehört der Tübinger Humangenetiker Carsten Pusch, der auch schon das Erbgut der Gletschermumie Ötzi auswertete.
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Angelika Bachmann
Tübingen. Eines war an der Mumie von Ramses III. schon immer merkwürdig: Die Mumie trägt eine Halskrause. Das ist außergewöhnlich, sagt Carsten Pusch – ihm und seinen Kollegen sei das auch aufgefallen, als sie die Mumie des ägyptischen Pharao zum ersten Mal im Saal des Kairoer Museums sahen. Im Laufe eines Forschungsprojekts wurde dann auch klar, warum der Hals verborgen war: Dem Pharao, der das alte Ägypten von 1188 bis 1156 v. Chr. regierte, wurde die Kehle durchgeschnitten. Eine entsprechende Halsverletzung zeigten computertomografische Untersuchungen.
Der Genetiker Carsten Pusch untersucht die Verwandschaftsverhältnisse der Pharaonen-Familien. Er kam dabei einem Mordkomplott auf die Spur. Archivbild: Faden
Das internationale Forscherteam lieferte damit den Beweis, dass Ramses III. einem Mordkomplott zum Opfer fiel. Dieses wird in einem Papyrus beschrieben, der im ägyptischen Museum von Turin verwahrt wird: Teje, eine der Nebenfrauen des Pharao, gilt als Drahtzieherin. Sie wollte offenbar ihren Sohn Pentawer auf den Thron bringen. Unklar war allerdings bislang, ob Ramses III. bei dem Attentat ums Leben kam.
Rätsel gibt indes eine andere Mumie auf, von der die Forscher vermuten, dass es sich um Pentawer, eben jenen Sohn von Teje und Ramses III., handelt. Die Analyse des Erbguts hat zwar dessen Abstammung von Ramses III. nachgewiesen. Der Mutterschaftsnachweis ist aber nicht möglich: Die Mumie von Teje ist nicht erhalten.
Die Mumie von Pharao Ramses III., aufgenommen 2006 in Kairo.Foto: dpa
Auffällig sei jedoch, dass die Mumie von Pentawer äußerst atypisch mumifiziert wurde. „Sie ist ziegelrot verfärbt“, berichtet Pusch. Der Körper wurde ohne Organ- und Gehirnentnahme mumifiziert und war mit einem Ziegenfell bedeckt. Dabei galt die Ziege bei den Ägyptern als „unreine Kreatur“, erklärt Pusch. Zudem war der Körper von Pentawer stark aufgebläht. An seinem Hals entdeckten die Forscher eine seltsame Hautfalte. Beides könnte darauf hindeuten, dass sich Pentawer erhängt hat.
Die Tatsache, dass der Körper von Ramses’ Sohn auf eine für einen Prinzen derart unangemessene Art und Weise bestattet wurde, spreche dafür, dass er als einer der Drahtzieher der Haremsverschwörung galt, sagt der Tübinger Genetiker Pusch. Laut dem Turiner Gerichtspapyrus erhielten die Mörder die Möglichkeit einer Selbsttötung, um schlimmeren Strafen im Jenseits zu entgehen.
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