Für seinen Einsatz gegen fragwürdige Forschungen, insbesondere gegen Auswüchse der Bio-Medizin, bekam der Tübinger Mathematiker Rolf Lorenz den Verdienstorden.
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OB Boris Palmer (links) übergab gestern im Öhrn des Tübinger Rathauses das Bundesverdienstkreuz an den Tübinger Mathematiker Rolf Lorenz. Bild: Faden
Tübingen. Überwältigt sei er, „dass mir so viel Gutes nachgesagt wird“. So bedankte sich Rolf Lorenz gestern, nachdem ihm OB Boris Palmer im Rathaus das Bundesverdienstkreuz übergeben hatte. Lobende Worte bekam Lorenz von seinem Kollegen Fritz Schwarzenbach und dem Tübinger Moraltheologen Dietmar Mieth zu hören.
Mieth lobte den 81-Jährigen als Brückenbauer, als verbindende Figur in der Bioethik-Debatte. Der Mathematiker, der in Tübingen und zudem mit einem Lehrbuch ungezählten Biologen und Medizinern auf verständliche Weise Statistik nahe brachte, gründete in Tübingen den Arbeitskreis Ethik in den Naturwissenschaften mit. Vor allem seit den 1990er Jahren legte er sich gegen die so genannte Bioethik-Konvention des Europarates ins Zeug.
Mit der Konvention will ein Teil der Forschenden in der Bio-Medizin ethisch zweifelhafte Herangehensweisen legitimieren. Dazu zählt „fremdnützige Forschung“ an Neugeborenen, Kindern, Behinderten, Dementen oder Komapatienten, also Forschung, die den Betroffenen nichts nützt, aber zur Klärung von wissenschaftlichen Fragen nötig scheint. Die Konvention gibt auch verbrauchende Forschung an menschlichen Embryonen frei. Die Motivation zum politischen Eingreifen rührte aus einer Erschütterung, sagte Schwarzenbach in seiner Lobrede. Lorenz erkannte, wie in den 1920er Jahren Genetik und Abstammungslehre umfunktioniert wurden in Eugenik und Rassenhygiene.“
Lorenz, der eine Stelle bei der früheren Bundesforschungsanstalt hatte, wandte sich direkt an Bundestagsabgeordnete. Das Erstaunliche für ihn: „Die brauchten uns.“ Zum einen wegen des kritischen Sachverstandes, zum anderen auch als Lobby. Sein Resümee: „Die Diskussionen laufen jetzt anders als noch vor 10 oder 15 Jahren, das notwendige bioethische Wissen ist angekommen.“ Doch um Erfolge sei es „sehr dünn bestellt“. Bislang hat der Bundestag der Bioethik-Konvention nicht zugestimmt.