Alle Parteien im Landtag wollen nun Korrekturen am Bologna-System
Die Studenten-Proteste zeigen offenbar Wirkung: Im Landtag sind nun alle Parteien für eine Reform der umstrittenen Bologna-Reform. Nur bei der Frage, wer am Problem schuld hat, scheiden sich die Geister.
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EDGAR NEUMANN, DPA
Stuttgart Nach wochenlangen Protesten der Studenten haben sich gestern alle Parteien im Landtag für eine Reform von Studiengängen ausgesprochen. Die internationalen Abschlüsse Bachelor und Master seien miserabel eingeführt worden, kritisierten SPD und Grüne. Wissenschaftsminister Peter Frankenberg (CDU) wies die Angriffe der Opposition zurück, räumte aber ein: "Es gibt, was einzelne Studiengänge betrifft, berechtigte Kritik." Aus Sicht der mitregierenden FDP haben die Hochschulen hinsichtlich Studiendauer und Art der Abschlüsse mehr Freiheiten, als sie in Anspruch nehmen.
Die Studiendauer wurde verkürzt, aber der Umfang des Lehrstoffs sei erhalten geblieben und der Prüfungsdruck gestiegen, kritisierte die Grünen-Abgeordnete Theresia Bauer. Mehr Studenten als früher brächen ihr Studium an Fachhochschulen und in den Ingenieurswissenschaften ab. Bauer warf Frankenberg und der Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) vor, die Verantwortung anderen zuzuschieben, statt Korrekturen in Angriff zu nehmen: "Mit warmen Worten ist es nicht mehr getan. Jetzt sind Taten angesagt." Martin Rivoir (SPD) klagte über "Bulimie-Lernen". "Man lernt schnell und viel auf die Prüfung und vergisst das Gelernte nach der Prüfung wieder schnell. Das ist nicht gut für die Qualität der Ausbildung." Die Hochschulen hätten nicht die nötige Freiheit bekommen, zu entscheiden, ob und wie sie die Bologna-Reform umsetzen. Außerdem hätten sie dafür kein zusätzliches Geld erhalten, obwohl die Rektoren die Mehrkosten auf 15 Prozent bezifferten.
Frankenberg schlug vor, Studiengänge mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten einzuführen sowie dem Studium so genannte College-Semester zur Orientierung vorzuschalten: "Wir haben zum Teil ein Qualifizierungsproblem in studiengangbezogenen Fähigkeiten, und wir haben ein Orientierungsproblem, weil wir immer spezifischere Studiengänge anbieten, von denen man auf der Schule noch nichts hören konnte." Für die College-Semester sind nach Frankenbergs Worten aber auch Veränderungen beim BaföG nötig: Die Obergrenze von fünf Jahren Förderdauer müsse fallen und der mehrfache Wechsel von Studiengängen ohne Verlust der Förderung möglich sein. Auch die Genehmigung neuer Studiengänge - die so genannte Akkreditierung - müsse verbessert werden.