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"Es lohnt sich, für die Reform zu kämpfen"

Achim Bubenzer und Klaus Peter Kratzer von der Hochschule Ulm über den Bologna-Prozess

Die Studentendemos sind für Achim Bubenzer und Klaus Peter Kratzer, Rektor und Prorektor der Hochschule Ulm, Ausdruck einer Reformunwilligkeit an den Unis. "Für uns ist der Bologna-Prozess gelungen."

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RUDI KÜBLER
Artikelbild: Achim Bubenzer und Klaus Peter Kratzer von der Hochschule Ulm über den Bologna-Prozess Klaus Peter Kratzer: Ein wenig Struktur kann kein Fehler sein.

Verstehen Sie, was da gerade an den Universitäten abgeht?

Artikelbild: Achim Bubenzer und Klaus Peter Kratzer von der Hochschule Ulm über den Bologna-Prozess Achim Bubenzer: Ich erkenne eine gewisse Reform-unwilligkeit.

KLAUS PETER KRATZER: Ich verstehe das zwar, kann aber nicht befürworten, dass bestimmte Fachkulturen den Wunsch äußern, die Zeit zurückzudrehen . . .

was heißt: bestimmte Fachkulturen?

KRATZER: Vor allem die Ordinarien in den Geisteswissenschaften idealisieren und glorifizieren das alte Studienmodell, die Humboldtsche Freiheit von Lehre und Forschung. Im Zeitalter der Massenakademisierung ist dieses Modell aber nicht mehr haltbar. Die Ingenieur- oder auch die Naturwissenschaften hatten im Gegensatz dazu immer schon ein durchgängiges Studienbild und waren auf Berufsbilder ausgerichtet.

ACHIM BUBENZER: Was sich da gegenwärtig äußert, ist ein gesammeltes Unbehagen. Es geht nicht nur um den Bologna-Prozess, es geht um Studiengebühren, um mangelhafte Studienorganisation, kurz: um alles, was an den Universitäten nicht funktioniert. All das wird auf den Bologna-Prozess fokussiert . . .

der in Ihren Augen gelungen ist?

BUBENZER: Ja, weil Bologna den Blick auf die Studenten richtet und auf deren Bedürfnisse eingeht. Früher hat man sich vielfach nicht ausreichend darum gekümmert, wie hoch die Arbeitsbelastung von Studenten wirklich ist, was ein Student am Ende eines Moduls können muss und was in den Klausuren geprüft wird. Für die Studierenden bedeutet Bologna Qualitätssicherung in der Lehre und Verbindlichkeit der Programme, für die Hochschulen ist Bologna eine Verpflichtung. Und davon dürfen wir nicht runter.

Was werfen Sie den Unis vor?

BUBENZER: Ich will nicht alle Universitäten über einen Kamm scheren. Was ich aber erkenne, ist eine gewisse Reformunwilligkeit, die dazu führte, dass handwerkliche Fehler bei der Umsetzung des Bologna-Prozesses gemacht wurden. Richtig ärgerlich ist, dass sich eine Gruppe von Studierenden vor den hochschulpolitischen Karren der Reformunwilligen spannen lässt.

KRATZER: Die Reformunwilligkeit zeigt sich daran, dass manche Professoren nur ihr eigenes Fachgebiet im Auge haben - und nicht das große Ganze sehen, den Studiengang als Gesamtprodukt.

Wobei man aber fairerweise sagen muss, dass es die Fachhochschulen mit ihrem verschulten System wesentlich einfacher hatten.

BUBENZER: Das stimmt, die Unis hatten es schwerer, weil der Ausgangspunkt ein anderer war. Da die Fachhochschulen der Berufsbefähigung verpflichtet sind, waren sie von jeher stärker strukturiert. Anders ausgedrückt: Bologna hat die Fachhochschulen angeschaut und festgestellt, dass deren System einfach gut ist.

KRATZER: Ist es denn ein Fehler, wenn die ersten Semester strukturierter ablaufen? Wenn die Grundlagenfächer aufeinander abgestimmt sind? Ein Chaos will keiner, am wenigsten der Steuerzahler, der dafür aufkommen muss. Dass alles festgelegt und verschult ist, stimmt nicht. Bologna lässt auch Freiräume.

Die Fachhochschulen hatten keine Probleme mit der Umstellung?

BUBENZER: Es war mitunter mehr als mühsam, die Strukturen vorzubereiten oder die Dokumentationen für die Akkreditierung zu erstellen. Aber alle baden-württembergischen Fachhochschulen haben den Bologna-Prozess geräuschlos und effizient umgesetzt - die Studierenden und die Wirtschaft können zufrieden sein.

Sind sie es wirklich? Die Skepsis der Wirtschaft war anfangs ja wirklich groß.

BUBENZER: Was die Studierenden angeht, haben wir noch keine aussagekräftigen Studien - dafür haben wir noch zu wenig Absolventen. Von der Industrie aber weiß ich, dass sie keinerlei Vorbehalte gegenüber dem Bachelor-Abschluss hegt; die Wirtschaft hat sich auf den Bachelor eingestellt.

KRATZER: Die Unterschiede zum Diplom sind auch nicht so groß. . .

aber Sie mussten doch auch reduzieren.

KRATZER: Wir haben ein Praxissemester gestrichen, ansonsten sind die Wahl- und Pflichtfächer fast deckungsgleich. Der Bologna-Prozess bietet viele Chancen für die Studierenden, so kann ein Informatik-Bachelor einen Master in Krankenhausmanagement draufsatteln.

BUBENZER: Das ist ein weiteres Beispiel dafür, dass es sich lohnt für die Reform zu kämpfen.

30.11.2009 - 08:30 Uhr

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