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Da waren’s nur noch zehn

Das Mittwochs-Interview Physiotherapeut Alexander König über die Fitness-Weltmeisterschaft

Der Horber Physiotherapeut Alexander König macht mit einer Gruppe von Kunden seines Fitness-Studios am Wochenende bei der Strenflex-Fitness-Weltmeisterschaft in Essen mit. Im Interview mit der SÜDWEST PRESSE spricht der gebürtige Schlesier über das „Casting“ vor der WM und seine Erfindung.

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Herr König, vor zwei Jahren haben Sie mit ihrem Klienten Vitali Haar zum ersten Mal an der Strenflex-Weltmeisterschaft teilgenommen, da sagten Sie…

Alexander König: (lacht) …nie wieder!

…genau! Wie kommt’s dann, dass Sie jetzt doch wieder antreten?

Artikelbild: Das Mittwochs-Interview Physiotherapeut Alexander König über die Fitness-Weltmeisterschaft

Ja, zuerst habe ich wieder wie letztes Mal die ganze Gruppe beobachtet. Und bei uns sind wirklich echt gute Leute im Fitness! Und da habe ich gesehen, dass da wieder neue Leute dazugekommen sind; da bin ich auf die Idee gekommen, dass ein paar wieder mitgehen. Da habe ich mit dem Vitali gesprochen und gesagt, das war damals schön, aber wir haben uns im Grunde eigentlich gar nicht gesehen: Du hast deine Sache gemacht, ich habe meine Sache gemacht. Und so ein bisschen Stimmung, wie ich das vom Volleyball oder anderen Mannschafts-Sportarten kenne, die hat einfach gefehlt! Sagte ich, ‚du, wir müssen da was machen!‘ Dann haben wir uns zusammengesetzt, und haben gesagt, wir suchen uns mal 20 Leute, und ab September machen wir Vorbereitung.

Wie lief das „Casting“ weiter?

Ein paar Leute haben wir überredet, ein paar wollten nicht. Wir haben das ganze Programm vorgestellt, was man da machen muss. Nach zwei Monaten kamen die ersten, sagten, ‚nee du, meine Schulter macht nicht mit, mein Knie macht nicht mit!‘ Und so ging das bis Anfang Januar, dass wir noch so 16, 17 Leute waren. Dann haben wir uns angemeldet für diese Weltmeisterschaften.

Darf da jeder mitmachen?

Nein, man muss ein goldenes Abzeichen haben. Das sind bestimmte Übungen, die man in einer bestimmten Zeit machen muss, und ich kann bei mir jetzt diese Prüfung abnehmen. Und da war mir klar, dass ich nur mit denen rede, die das schaffen können – die haben auch alle dieses goldene Abzeichen geschafft. Aber: Dann hieß es, wir müssten uns noch qualifizieren! So viele haben oder wollen sich anmelden, weil gerade Jubiläum ist auf der Fibo. Zum 25. Mal ist die Fitness-Messe, da ist sowieso die ganze Welt vertreten. Als ich das gesagt habe, sind wieder zwei abgesprungen, dann sind wir 15 geblieben.

Wie verläuft die Qualifikation?

Da war in Zürich am 27. Februar ein solcher Wettkampf. Da musste man eine bestimmte Anzahl an Punkten erreichen, um sich für die Weltmeisterschaft zu qualifizieren. Da sind wir dann mit 15 Leuten nach Zürich, dort haben sich 13 qualifiziert. Die Zwei, die sich nicht qualifiziert haben, wollten eigentlich auch gar nicht mit, die hatten gesagt, das käme für sie zu früh. Ansonsten haben wir eigentlich alle vordere Plätze belegt, weil auch die Topathleten schon qualifiziert waren und nicht mitgemacht haben. Unsere Leute haben gesehen, da geht’s richtig zur Sache! Als wir zurück kamen, haben wir gesagt: ‚Jetzt geht’s ab an die Arbeit!‘ Da sind dann wieder drei abgesprungen – jetzt sind wir zehn Leute, und ich hoffe, dass wir am Freitag um fünf Uhr morgens zu zehnt losfahren.

Bei Kraftsportlern denken viele an muskelbepackte „Bären“ – Sie wirken dagegen eher drahtig…

…ja, das ist halt die Sache, denn die Disziplinen, die Sie da machen müssen; wenn Sie zu schwer sind und zu muskulös, dann haben Sie keine Ausdauer! Die ersten drei Disziplinen haben mit Kraft was zu tun – und die sind auch entscheidend, ob Sie überhaupt weiter mitmachen müssen: Das ist Bankdrücken, wo man zwölf Mal 70 Prozent des eigenen Körpergewichts in 30 Sekunden sauber hochdrücken – aber sauber! Maximum kann man da zehn Punkte bekommen. Von da an geht man sofort auf Kniebeugen. Und die muss man wieder mit 80 Prozent des Körpergewichts technisch sauber ausführen – da achten zwei Schiedsrichter drauf, ob Sie richtig 90 Grad Beuge machen. Die Knie dürfen da nie vor dem Fuß stehen. Das ist auch machbar. Dann folgt zwölf Mal Gewichte heben in 30 Sekunden – hoch und wieder zurück, auch sauber ablegen und sauber wieder hoch. In diesen drei Disziplinen müssen Sie 28 von 30 möglichen Punkten bekommen, dann dürfen Sie überhaupt weitermachen. Wenn man die drei Sachen geschafft hat, dann ist alles nur Spaß! Natürlich Kampf, Stress – aber dann ist man drin. Dann braucht man Ausdauer; bei den Klimmzügen zum Beispiel. Das ist auch Technik, weil man schaukelt da. Wenn Sie zu viel wiegen, dann schaffen Sie das auch nicht! Deshalb: Diese „Bären“, wie man da sagt, haben es in dieser Sportart schwer. Am Schluss müssen wir zum Beispiel auch in den Spagat gehen.

Nebenbei sind Sie noch als „Erfinder“ tätig, haben ein Hüfttrainingsgerät entwickelt.

Ja, ich bin ja Leistungssportler, auch Volleyballtrainer, und ich habe in Horb schon vor 20 Jahren bei der Firma „Breuninghaus“ geschafft, um meine Ausbildung zu finanzieren und in Schlesien habe ich bereits eine technische Ausbildung gemacht. Von daher hatte ich immer irgendwo die Liebe zum Basteln. Vor vier Jahren habe ich gesagt, ich brauche ein Gerät für Hüftgelenk-Rotation.

Weshalb?

Weil die Muskeln, die die Rotation ausführen, die sitzen eigentlich faul da, die machen gar nix! Die sind so wichtig, aber die sitzen halt unter dem großen Gesäßmuskel und werden kaum irgendwo trainiert. Ein guter Physiotherapeut hat schon Methoden, wie man das auch ohne Maschinen trainiert, kein Thema! Aber das ist halt aufwändig. Und für alles gibt es Geräte, für jeden Bizeps, für Wadenmuskulatur. Da sagte ich, da gibt es bestimmt für diese Hüftrotatoren auch ein Gerät. Weil ich jedes Jahr auf dieser Fitnessmesse bin, habe ich da danach auch gesucht. Bin drei Tage lang dort rumgelaufen, habe aber nichts gefunden. Ich habe die Leute gefragt nach Hüftrotation, da haben die mir alle Geräte gezeigt, die vielleicht was mit Hüfte zu tun haben – aber nichts mit Rotation. Die Firmen machen immer neue Geräte, aber die kopieren halt! Und wenn man nicht mehr kopieren kann, dann wird das alles mit Elektronik verbaut, da wird mit Pneumatik, mit Hydraulik, mit Elektronik verbessert – aber es geht immer um die gleiche Muskeln.

Das heißt, Sie haben vergeblich nach einem Gerät für die Hüftgelenk-Rotation gesucht.

Ja. Da habe ich gesagt, da muss ich selber was basteln.

Und wie ist das Prinzip Ihres Geräts?

Da werden im Sitzen mit 90 Grad Beugung im Hüftgelenk, 90 Grad Beugung im Kniegelenk durch eine Bewegung nach innen und außen die Innen- und Außenrotatoren des Hüftgelenks trainiert. Und jetzt habe ich eine Gruppe gehabt, mit denen ich drei Monate so ein Hüftgelenkskonzept gemacht habe. Zwei Mal pro Woche, damit ich auch von den Patienten ein Feedback bekomme. Mit Hilfe unserer Therapeuten haben wir zehn Patienten mit Hüftbeschwerden bei uns in der Praxis ausgesucht, die bereit waren, mitzumachen. Ich habe mit denen das Training gemacht. Und es hat sich was verbessert, wir haben die Leute bis heute. Die kommen jetzt praktisch als „Kunden“ in unser Studio. Dabei ist die Maschine noch gar nicht auf dem Niveau, wie ich sie haben will – da braucht‘s noch viel Feinarbeit.

Haben Sie das Patent darauf angemeldet?

Ich war mit Bilder und Zeichnungen beim Patentamt in Stuttgart. Die haben zuvor über eine Stunde recherchiert und nichts dergleichen gefunden – und haben gesagt: „Das ist so einfach, Sie müssen das schnell machen – dass da noch keiner auf die Idee gekommen ist!“ Dann habe ich einen Antrag gestellt – aber das kann jetzt Monate gehen, ob man überhaupt das Patent bekommt. Aber das war ja auch nicht mein Ziel: Ich will die Leute optimal behandeln, das ist mein Ziel.

Das Interview führte Tobias Zug

Diese „Bären“, wie man sagt, haben es in dieser Sportart schwer.

21.04.2010 - 08:30 Uhr | geändert: 18.07.2011 - 12:22 Uhr

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