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50 Fans, 50 Meinungen

Das Mittwochs-Interview Hartmut Rothfuß über die Situation in Tumlingen

Seit Februar dieses Jahres ist Rainer Rothfuß Fußball-Abteilungsleiter des SV Tumlingen-Hörschweiler. Im SÜDWEST PRESSE-Interview spricht er über die Situation der Landesliga-Mannschaft, den Abgang von Trainer Sven Hayer zum Saisonende und die Kritik einiger Fans, zu sehr auf ältere Spieler zu setzen.

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SÜDWEST PRESSE: Herr Rothfuß, wie groß bezeichnen Sie noch die Chancen auf den Klassenverbleib für den SV Tumlingen-Hörschweiler?

Artikelbild: Das Mittwochs-Interview Hartmut Rothfuß über die Situation in Tumlingen

Hartmut Rothfuß: Ich sage mal so: In der SÜDWEST PRESSE habe ich die Überschrift gelesen, dass Dornhan die Chance auf die Landesliga gewahrt habe. Wenn Dornhan, das ein Punkt weniger hat als wir, noch Chancen hat, dann haben wir sie ja theoretisch noch mehr! Aber klar: Wenn ich gegen Wittlingen und Mühlheim nur einen Punkt hole, dann spricht das nicht unbedingt für uns. Dornhan hat derzeit Rückenwind, wir verlieren, wie ich gehört habe, richtig blöd in Wittlingen – nicht, weil wir schlechter waren.

Sie sagten, Dornhan habe jetzt Rückenwind. Beim SVT herrschte nach dem 2:3 in Wittlingen ziemlich viel Frust und Missstimmung bei Mannschaft und Fans, Spielerfrauen und -mütter gifteten Torwarttrainer Georg Saier an. Ist das nicht kontraproduktiv in dieser Situation?

Bei Dornhan ist es halt so, was hatten die nach der Winterpause zu verlieren gehabt? Bei denen, denke ich, hat man das damals soweit fast schon abgehakt. Wir haben wie alle anderen auch acht, neun Wochen Vorbereitung gehabt, mussten viel improvisieren, das hat der Sven (Trainer Sven Hayer, d. Red.) gut gemacht, er hat immer wieder Spiele ausgemacht und gefunden. Und wenn man dann in den zwei Highlights im neuen Jahr, gegen Wittlingen und Mühlheim, nicht so punktet, um den Anschluss zu schaffen…

Sie müssen sowohl für die Landes- als auch für Bezirksliga planen. Erschwert es da die Arbeit zusätzlich, dass Sie jetzt für den zu den U 19 der Stuttgarter Kickers wechselnden Sven Hayer einen neuen Trainer suchen müssen?

Nicht unbedingt. Klar, ist der Zeitpunkt, Anfang April, schon fortgeschritten. Aber zu spät ist es nicht.

Hat Sie die Entscheidung von Sven Hayer überrascht?

Ich habe mal mitbekommen – da war allerdings mein Vorgänger Rainer Rothfuß noch im Amt – dass der Sven ihn damals informiert habe, dass er ein, zwei Angebote von anderen Vereinen habe. Da müssen die Kickers dann auch dabei gewesen sein. Insofern war das irgendwo nicht überraschend. Sven hat die A-Lizenz, er hatte zuvor ja Glatten mal trainiert, dann Wachendorf, dann kam er zu uns – für ihn war das stetig eine Verbesserung: A-Liga, Bezirksliga, Landesliga. Ich denke, das Ziel von ihm war immer, mal höher hinaus zu kommen, was anderes zu machen.

Hätte der Verein mit Sven Hayer als Trainer weitermachen wollen?

Jein. Unter Umständen.

Unter welchen Umständen?

Sagen wir mal so: Wenn man zwei Jahre miteinander gearbeitet hat, dann muss man sich sehr wohl Gedanken machen, ob manches nicht abgedroschen ist, ob es vielleicht nicht auch besser ist, neuen Schwung reinzubringen.

Welches Anforderungsprofil stellen Sie an den neuen Trainer?

Zum einen sind ja unsere finanziellen Mittel eingeengt. Mir würde einer vorschweben, aber der ist zurzeit nicht bezahlbar.

Konkret? Ein Spielertrainer oder ein Trainer?

Spielertrainer ist ja auch so ein Thema: Wenn man einen Spielertrainer holt, sollte der besser sein als die anderen. Da stellt man sich dann die Frage: Was gibt’s da für Möglichkeiten? Bei uns hieße das ja, er sollte mindestens Landesliga spielen oder gespielt haben. Aber wir sind im Waldachtal, liegen nicht auf der Autobahn, und jemanden zu holen, der 60, 70 Kilometer einfach fahren muss, wird nicht möglich sein. Außer, man zahlt Gehälter wie beispielsweise im Großraum Böblingen/Calw – und das wollen wir nicht. Was doof ist, dass wir mit Vorstand und Ausschuss über Ostern noch nicht zusammensitzen konnten. Die nächsten zwei, drei Tage werden wir das machen, und uns detailliert über dieses Thema unterhalten.

In Wittlingen kritisierten einige Fans, dass zu sehr auf die älteren Spieler gesetzt werde statt auf die jüngeren. Sehen Sie da einen Konflikt?

Nee! In Wittlingen war es ja so, dass Marcus Schairer, einer der älteren, nicht gespielt hat, Andreas Mühlthaler, auch einer der älteren, hat gespielt. Also ist es nicht so, dass nur die Älteren spielen.

Im Tor stand wieder „Oldie“ Michael Schmidt, der vor dem 2:3 gepatzt hatte – im Spiel zuvor machte der 19-jährige Lukas Betz beim 2:2 einen Schnitzer.

Wir waren uns im Klaren, dass wir beide Torhüter brauchen. Gegen Mühlheim hatte Lukas Betz einen Riesenpatzer gemacht. Jetzt waren wir mit den Trainern der Ansicht, dass der Michael im Tor stehen sollte. In der einen Woche macht der „Junge“ ’nen Bock und jetzt der„Alte“– am besten wäre es, wir stellen beide ins Tor… Aber was willst da machen? Im Nachhinein ist man immer schlauer. Aber ich sehe da kein Problem zwischen „Jungen“ und „Alten“, sehe das auch im Training oder während der Busfahrten zum Spiel, die sitzen da miteinander und machen viel gemeinsam. Schairer und Mühlthaler haben ja als Spielertrainer noch gemeinsam mit fast allen zusammengespielt. Natürlich ist es so, wenn da 50 Zuschauer sind, dann kann es auch 50 unterschiedliche Meinungen geben.

Was muss sich in der Mannschaft ändern, damit der Abstieg verhindert wird?

Erstens müssen die Fehler abgestellt werden! Und dann ein Sieg gegen Nehren… Aber klar, die Spiele werden immer weniger, und wir haben ein richtig kerniges Programm.

Wie schlimm wäre ein Abstieg für den SV Tumlingen-Hörschweiler?

Es wäre schade. Aber die Welt geht dann auch nicht unter. In Tumlingen wird dann weiter Fußball gespielt – und weiter guter!

Ein Spieler-Exodus ist nicht zu befürchten?

Nein. Ich gehe fest davon aus, dass die meisten bleiben. Bild: radi

Das Interview führte Tobias Zug

Wenn man zwei Jahre miteinander gearbeitet hat, dann muss man sich sehr wohl

Gedanken machen, ob manches nicht abgedroschen ist.

07.04.2010 - 08:30 Uhr | geändert: 18.07.2011 - 12:20 Uhr

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