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Paradies: Liebe

Eine Kenia-Urlauberin verwechselt in dem provokanten Drama die sexuelle Dienstleistung eines Einheimischen mit echter Leidenschaft.

Österreich 2012

Regie: Ulrich Seidl
Mit: Margarethe Tiesel, Peter Kazungu, Inge Maux
121 Min. - ab 16 Jahren
TAGBLATT-Wertung
   Leser-Wertung
 

Den Überlegungen zum letzten Teil kann ich nur zustimmen; meine Behauptung der puren Unterhaltung war lediglich der Zuspitzung geschuldet. "...nichts ist schrecklicher als der Mensch" sollte auch für den käuflichen Sex gelten. - Auch wenn zum Schluss die drei Jungs mit ihrem Rad am Strand der Teresa (und uns?) eine Nase drehen.

Spielplan

 Wenn ein Film von Ulrich Seidl das Paradies im Titel trägt, kann es nur sarkastisch gemeint sein. Denn wie die meisten provokanten Ausgeburten des österreichischen Regisseurs („Hundstage“, „Import/Export“) führt auch diese in die Hölle. Dabei beginnt der Trip für die Protagonistin Teresa (großartig: Margarete Tiesel), eine allein erziehende Mutter aus der Wiener Unterschicht, relativ beglückend. Das Ferienressort in Kenia entspricht mit Sonne, Strand und Äffchen auf dem Balkon anfangs vollkommen ihrer Vorstellung von einem Traumurlaub.

Als ihr eine Cocktail-Genossin jedoch von den sexuell willigen einheimischen Beachboys vorschwärmt, wird ein zusätzliches Begehren geweckt: Als ziemlich füllige 50-Jährige hat man schließlich nicht so oft die Chance auf intimen Körperkontakt. Bei ihren staksigen Gehversuchen auf dem Sex-Parcours macht die „Sugar Mama“ allerdings einen entscheidenden Fehler: Sie will Liebe oder wenigstens ein bisschen Zärtlichkeit, wo es ganz offensichtlich um schnöde Prostitution geht, mit der die jungen Afrikaner sich und ihre Familien über Wasser halten. Das Missverständnis empfindet Teresa als persönliche Demütigung – mit tragischen Folgen.

Man hat Ulrich Seidl oft vorgeworfen, seine Figuren der Lächerlichkeit preiszugeben. Das ist hier definitiv nicht der Fall. Der Regisseur nimmt Teresas Sehnsucht nach Liebe Ernst, lässt aber keinen Zweifel daran, dass sie an diesem Ort und unter diesen Umständen keine Chance auf Erfüllung hat. Ihre Enttäuschung kompensiert die Frau, indem sie, auf dem armseligen Level als weiße Urlauberin, ihre Macht über die noch ärmeren Schlucker schamlos ausspielt. In ihren finalen Versuchen, doch noch ein Stück vom Sex-Kuchen abzukriegen, degradiert sie die einheimischen Liebesdiener in rüder Kolonialmanier zu hündischen Objekten einer nur noch zwanghaften Begierde – und beraubt sich dabei selbst des letzten Funkens Würde. Wieder einmal bei Seidl werden die Verdammten dieser Erde einander zu Wölfen.

Erkundet drastisch und enervierend genau die Hölle des weiblichen Sexourismus.


Flashplayer benötigt.

Klaus-Peter Eichele


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Zuletzt kommentiert

Ein Drama, ja, aber sehenswert: Zuerst fand ich ihn bedrückend, dann befreiend. Am Ende mochte ich den Film sehr und denke auch jetzt noch dran.


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