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Zettl

Regisseur Helmut Dietl nimmt mit Bully Herbig als großkotzigem Paparazzo den Berliner Polit- und Medienzirkus satirisch aufs Korn.

Deutschland 2012

Regie: Helmut Dietl
Mit: Michael "Bully" Herbig, Senta Berger, Dieter Hildebrandt, Karoline Herfurth, Ulrich Tukur
109 Min. - ab 0 Jahren
TAGBLATT-Wertung
    Leser-Wertung
 

Schlechter Film: weder witzig, noch spannend, noch interessant.

"Zettl"-Macher Helmut Dietl über Politik, Berlin, Humor und TV

 Helmut Dietl war ja mal mit Veronica Ferres liiert, die jetzt die Gattin von Carsten Maschmeyer ist, der es wiederum mit Hilfe seines Kumpels Gerhard Schröder vom Plakatkleber für die Scorpions zum Milliarden-Absahner bei der privaten Rentenversicherung gebracht hat. Will heißen: Dietl wäre ganz nah dran gewesen an dem Stoff, aus dem Politsatiren sind.

Stattdessen erzählt der Regisseur des grandiosen „Schtonk“ in seinem neuen Kinofilm von einem Ministerpräsidenten aus Meck-Pomm, der sich in Berlin ein Flittchen aufs Zimmer bestellt. Von einer Regierenden Bürgermeisterin, die sich heimlich einer Geschlechtsumwandlung unterzieht. Oder der Talkshowtante der Nation, die während der Sendung literweise Wodka in sich hineinkübelt. Das ist, einerseits, viel zu banal und beliebig, um mehr als ein müdes Schmunzeln zu provozieren. Andererseits aber auch viel zu hochgestochen für die deutsche Politiker-Wirklichkeit, wo plusminus zwei Prozent Zinsen beim Häuslesbau der Gipfel einer privaten Verfehlung sind. So kommt es, dass „Zettl“ weder als rein fiktive Komödie, noch als eine den realen Politbetrieb überspitzende Satire funktioniert.

Während Bully Herbig, der als ewig gehetzter Oberpaparazzo in all diese Skandälchen verstrickt ist, immerhin noch tapfer gegen das zahnlose Drehbuch anspielt, beschränken sich die meisten übrigen Schauspieler von vornherein aufs Rauslassen der Rampensau – wobei oft brutalstmögliches Schwäbeln (Harald Schmidt) oder Schwyzerdütscheln (Ulrich Tukur) den Witz ersetzt. Die symbolhaft beste Szene des Films steht ganz am Anfang, wenn Baby Schimmerlos, der Klatschreporter aus Dietls brillanter Fernsehserie „Kir Royal“, zu Grabe getragen wird. Damit hätte „Zettl“ dann aber auch enden sollen.

Der Abstand zu „Schtonk“ ist noch beträchtlich größer als der von Weizsäcker zu Wulff.

Flashplayer benötigt.

Klaus-Peter Eichele


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