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The Descendants - Familie und andere Angelegenheiten

Ein Familienvater (George Clooney) kommt dahinter, dass seine im Koma liegende Frau eine Affäre hatte und ihn verlassen wollte.

The Descendants
USA 2011

Regie: Alexander Payne
Mit: George Clooney, Shailene Woodley, Beau Bridges, Robert Forster, Judy Greer
115 Min. - ab 12 Jahren
TAGBLATT-Wertung
    Leser-Wertung
 

Der gute Matt ist einfach ein Stück zu gut, der "gemeine" Mann hätte den Liebhaber wohl eher zu einer Tracht Prügel eingeladen. Einen Oscar hätte Clooney eher für manch anderen Streifen verdient ...

 Das Paradies hat sich in den Soundtrack verflüchtigt – so sehr dominiert auf George Clooneys Hawaii eine durchbetonierte Resort-Atmosphäre. In einer derart kontrollierten Umgebung scheint das Glück der Selbstvergessenheit Momenten exklusiven Zeitvertreibs vorbehalten.

Der Bootsunfall seiner Frau Elizabeth katapultiert den reichen Anwalt Matt King (George Clooney) in eine Welt voller Pflichten. Plötzlich ist er es, der sich um die beiden Töchter kümmern muss. Die elfjährige Scottie (Amara Miller) drangsaliert eine Mitschülerin und wirft mit Möbeln. Die 17-jährige Alexandra (Shailene Woodley) muss erst aus dem Internat auf der Nachbarinsel zurückgeholt werden. Sie dürfte die Überraschung des Films sein – so brillant changiert sie zwischen dem Selbstbewusstsein einer Erwachsenen und der Verletzlichkeit eines Teenies. Prompt quartiert sie ihren flapsigen Freund Sid (Nick Krause) im Beinahe-Trauerhaushalt ein.

Matt ist davon nicht begeistert, hat aber jede Menge anderes zu tun. Er muss veranlassen, wann die Apparate abgestellt werden sollen, die die im Koma liegende Elizabeth am Leben erhalten. Irgendwie wurstelt er sich zu den richtigen Entscheidungen durch – nicht ohne zuvor den dauergrinsenden Typen zu stellen, mit dem Elizabeth eine Affäre hatte.

Geschickt überblendet Regisseur Alexander Payne („Sideways“) das Tragische mit dem Lächerlichen. Die Paradiesqualitäten der Insel, das Blau und Türkis des Meeres leuchten ausgerechnet in den Augenblicken auf, wenn Matt samt Anhang Elizabeths Eltern aufsucht: Neben seiner dementen Frau Alice ist Elizabeths Vater (Robert Forster) ein knallharter Brocken. Von der Weite des Ozeans hat dieses desillusionierte Paar ganz und gar nichts. Kameramann Phedon Papamichael ist wie die Regie perfekt darin, solche Missverhältnisse vorzuführen.

Außer dem privaten steckt Matt in einem weiteren moralischen Dilemma, das die Zukunft der gesamten Insel betrifft. Er ist Treuhänder des Familienbesitzes, eines der letzten unberührten Küstenstreifen. Dass Matt auch in diesem Fall schließlich alles richtig macht, vermittelt dem fünffach oscarnominierten Film eine gewisse Glätte.

Reiche Familie schlingert zwischen Intensivstation, Pubertät, Tod und Verantwortung.

Flashplayer benötigt.

Dorothee Hermann


Zuletzt Kommentiert

... Großartiger und wichtiger Film, der nicht in amerikanischen Gut-Böse Klischees "funktioniert" sondern differenziert und sachlich, aber mit viel Herz auf das Elend an unseren Grenzen zu den unverblümten Sklavenregionen dieser Welt aufmerksam macht, wo jede Stunde Menschen ihr Leben lassen, ertrinken, verdursten ...


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