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The Artist

Melodramatische Komödie im Look des späten Stummfilms über Ruhm und Untergang zweier Hollywood-Stars der zwanziger Jahre.

Frankreich 2011

Regie: Michel Hazanavicius
Mit: Jean Dujardin, Bérénice Bejo, John Goodman, James Cromwell, Penelope Ann Miller
100 Min. - ab 6 Jahren
TAGBLATT-Wertung
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Aktuelle Story über die Folgen, wenn man in der Vergangenheit stehen bleibt und nicht mit der Zeit geht. Sehr unterhaltsam und beeindruckend gemacht. Gestik, Mimik perfekt. Für mich zur Zeit der beste Film in diesem Jahr.

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Die spinnen, die Franzosen! Da geben sich James "Avatar" Cameron und die gesamte Hollywood-Industrie unendlich viel Mühe, die Kinobesitzer davon zu überzeugen, dass der Zuschauer die großen Gefühle nur in mindestens drei Dimensionen wirklich und hautnah erleben kann - und dann werfen ein paar verwegene Franzosen die US-Hightech-Unterhalter in die technische Vorsintflut zurück.

Nicht genug, dass sie mit politisch inkorrekten 2D-Komödien über Behinderte und Schwarze ("Ziemlich beste Freunde") rund 18 Millionen Einheimische und bislang zwei Millionen Deutsche in die Kinos lockten, nein, jetzt kommen sie auch noch mit einem Schwarz-Weiß-Film, in dem - fast - kein Wort gesprochen wird. Und was passiert? "The Artist" gewinnt drei Golden Globes, etliche Kritikerpreise, und gestern wurde er gleich für zehn Oscars nominiert.

Die Filmwelt steht Kopf. Und womit? Mit Recht! Denn mit wem die Herren Produzenten partout nicht gerechnet haben, ist das Publikum. Das hat es nämlich langsam satt, für unbequeme 3D-Brillen einen Haufen Geld zu bezahlen. Der Kinofan hat gar nichts gegen kluge Geschichten, klare schöne Bilder (möglichst nicht aus dem Computer), große Schauspieler mit Ecken und Kanten - und Magie. All das bekommt er bei eben diesem Schwarz-Weiß-Film, bei dem man sich den Dialog ausnahmsweise sogar mal denken muss.

Der 44-jährige Pariser Michel Hazanavicius lässt "The Artist" in einer Zeit spielen, in der die Kinolandschaft ebenfalls vor einem großen Umbruch steht: 1927 ist der Stummfilmschauspieler George Valentin auf dem Höhepunkt seiner Karriere. Seine smarte Erscheinung, sein verwegener Charme, sein unwiderstehliches Lächeln und nicht zuletzt sein perfekt dressierter Jack Russell Terrier lassen die Frauenherzen schmelzen. Alles an Valentin ist ideal fürs Kino - und das ist Ende der 20er-Jahre noch stumm.

Doch das soll sich ändern, wenn es nach Valentins Boss, dem Filmproduzenten Al Zimmer geht. Der Filmton ist erfunden, und der fordert fortan mehr als nur starke Posen und eine charismatische Physiognomie. Eine Tatsache, die George Valentin einfach nicht akzeptieren will. Gegen den Trend produziert er mit eigenem Geld weiter sein neues großes, stummes Abenteuer - und scheitert. Bald sind es andere, die im Rampenlicht stehen.

Eigentlich erzählt "The Artist" eine deprimierende Geschichte von der Unbarmherzigkeit des Erfolgs, von der Kurzlebigkeit des Ruhms und der Allmacht der Konsumgesellschaft. Doch Hazanavicius, der neben der Regie auch für das Drehbuch verantwortlich zeichnet, weiß genau, wie man das Publikum neben all diesen wichtigen Botschaften noch bei der Stange hält: mit einer tragischen Liebesgeschichte.

Daher spielt neben dem Charmeur George Valentin auch noch die schüchterne Tänzerin Peppy Miller eine tragende Rolle im Film. Sie stolpert wie zufällig über den Star, der sich in die Unschuld vom Lande verliebt, zum Film bringt. Und - fast - an ihr zugrunde geht. Denn ausgerechnet Peppy avanciert zum neuen Star des Tonfilms.

Hazanavicius hat das gute alte Kino verstanden: Er bedient sich der Klaviatur der Gefühle, zitiert nach Herzenslust sämtliche Klischees des Melodrams und hat vor allem den Mut, den berühmten Schritt weiter zu gehen: So sind nicht nur die Stummfilme in seinem Film stumm und ohne Farbe, sondern auch die Rahmenhandlung ist es. Seine Magie macht "The Artist" zum Ereignis: es sind die überragenden Schauspieler (Jean Dujardin könnte nach George Clooney der neue Cary Grant werden), die handwerkliche Virtuosität, die schmeichelnde Filmmusik von Ludovic Bource und sogar der fehlende Ton in den Mündern der Akteure. Das ist großes Kino im 21. Jahrhundert.

Flashplayer benötigt.

Verleihinfo


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