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J. Edgar

Leonardo DiCaprio spielt in Clint Eastwoods Spielfilm-Biografie den Mann, der mit eiserner Hand 50 Jahre lang das FBI führte.

USA 2011

Regie: Clint Eastwood
Mit: Leonardo DiCaprio, Naomi Watts, Armie Hammer, Josh Lucas, Judi Dench
136 Min. - ab 12 Jahren
TAGBLATT-Wertung
    Leser-Wertung
 

Even in German, this condensed american history by Eastwood is a real treat. This newspaper is right in writing that DiCaprio is derserving of an oscar ...

 „Mir ist egal, wer unter mir (US-)Präsident ist“, soll J. Edgar Hoover gesagt haben. Das ist kaum übertrieben. Als Chef des FBI überlebte er acht von ihnen – unter anderem aufgrund von Geheimdossiers, die er über deren private Fehltritte anfertigen ließ. Von den Rechten wurde Hoover als Nationalheld vergöttert, von Liberalen abgrundtief gehasst. Der aufgeklärte Konservative Clint Eastwood hält sich von diesen Extremen fern. Sein mit Fakten und Fiktion, Politik und Psychologie elegant jonglierendes Spielfilm-Porträt bemüht sich mit Erfolg um ein differenziertes Bild sowohl des Privat- als auch des Machtmenschen.

Essenziell sind für den 81-jährigen Regisseur zwei Zeitabschnitte, die er erzählerisch virtuos miteinander verschränkt. In den dreißiger Jahren rückt der rechte Hardliner das zuvor mausgraue FBI und nicht zuletzt sich selbst mit spektakulären Fahndungserfolgen und offensiver PR ins nationale Rampenlicht; in den Sechzigern stößt seine rabiate Praxis der Einschüchterung erstmals an Grenzen. Dabei schälen sich drei Triebkräfte seines Wirkens heraus: Der schier pathologische Kommunistenhass, dem unterschiedslos Bombenleger und Bürgerrechtler wie Martin Luther King anheimfallen; sein (anfangs belächeltes) Faible für wissenschaftliche Methoden bei der Polizeiarbeit; schließlich Hoovers unterdrückte Homosexualität, die er in einer lebenslangen asexuellen Partnerschaft mit seinem Vize Clyde Tolson notdürftig auslebt.

Letzteres beruht zwar überwiegend auf Spekulation, gedeiht aber nach und nach zum Herz des Films, der es an melodramatischer Wucht durchaus mit „Brokeback Mountain“ aufnehmen kann. Großen Anteil daran hat auch Hoover-Darsteller Leonardo DiCaprio, der hier die mit Abstand beste Leistung seiner Karriere abliefert.

Clint Eastwood macht das Politmonster menschlich – ohne seine Schandtaten abzuwiegeln.

Flashplayer benötigt.

Klaus-Peter Eichele


Zuletzt Kommentiert

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