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Kriegerin

Erschreckend aktuell gewordenes Drama um zwei junge Frauen im braunen Sumpf der ostdeutschen Provinz.

Deutschland 2011

Regie: David Wnendt
Mit: Alina Levshin, Jella Haase, Sayed Ahmad Wasil Mrowat
103 Min. - ab 12 Jahren
TAGBLATT-Wertung
    Leser-Wertung
 

Bedrückend, aber unglaublich gut gespielt. Ein Muss!

 Nationalsozialistisch ja, Untergrund nein. In der ostdeutschen Kleinstadt, dem Schauplatz des Debütfilms von David Wnendt, muss sich kein gewaltbereiter Neonazi verstecken. Hier werden unbehelligt in aller Öffentlichkeit Hassparolen gegrölt, Auschwitz geleugnet und Ausländer drangsaliert. Wer etwa eine andere Meinung vertritt, guckt zur Seite. Als Jugendlicher, so scheint es, hat man gar keine Wahl, als sich der braunen Horde anzuschließen oder selbst stigmatisiert zu werden.

Oder etwa nicht? Der Film erzählt von den gegenläufigen Bewegungen zweier junger Frauen. Die 15-jährige Svenja findet vor dem Psychoterror ihres Stiefvaters bei den Braunen erst Zuflucht und dann eine politische Heimstatt – ohne dass der Erwartungsdruck deswegen für sie geringer wird. Die etwas ältere Marisa, die Kriegerin des Films, ist dagegen schon seit längerem ein besonders schriller Aktivposten in der rechten Szene. Als ein afghanischer Flüchtlingsjunge, den sie aus blindem Hass über den Haufen gefahren hat, in ihr Leben drängt, regt sich jedoch ein humaner Restimpuls, der sie in immer größere Distanz zu ihrer Clique bringt.

Dem 34-jährigen Regisseur, der mehrere Jahre im ostdeutschen Nazisumpf recherchiert hat, gelingt es erstaunlich gut, eine packende Kinogeschichte mit präziser Milieuzeichnung und zumindest partieller Ursachenforschung in Einklang zu bringen. Die Rituale des Saufens und Grölens, der Machtrausch beim Menschenquälen, die Verknüpfung von Gewalt und Sex, die aufputschende Wirkung dumpfer Rocksongs, aber auch die prinzipielle Übereinstimmung mit (spieß-)bürgerlichen Werten, werden glaubwürdig herausgearbeitet. Bemängeln mag man, dass die politischen Gründe des Nazispuks gegenüber den psychologischen und gruppendynamischen etwas ins Hintertreffen geraten.

Kann einiges, aber nicht alles, über den Hintergrund der Zwickauer Terrorzelle erklären.

Flashplayer benötigt.

Klaus-Peter Eichele


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