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Verblendung

Hollywood-Neuverfilmung von Stieg Larssons  Krimi-Bestseller mit Daniel Craig als Enthüllungs-Reporter auf Höllentrip.

The Girl with the Dragon Tattoo
USA 2011

Regie: David Fincher
Mit: Daniel Craig, Rooney Mara, Christopher Plummer, Stellan Skarsgård, Steven Berkoff, Robin Wright
158 Min. - ab 16 Jahren
TAGBLATT-Wertung
    Leser-Wertung
 

Interview mit Daniel Craig über seinen neuen Film, Christian Wulff und sein Image als 007

 Der Erfolgsjournalist Mikael Blomkvist (Daniel Craig) ist umgeben von den Insignien des ökonomischen und erotischen Erfolgs. Als ein Gerichtsurteil ihn unvermittelt zum Outcast stempelt, bietet ihm der Großindustrielle Henrik Vanger (Christopher Plummer) eine Zuflucht auf der Familieninsel in Nordschweden.

Schon der Vorspann reißt den Kontrast von digitaler Virtuosität und authentischer Handarbeit an – ausgerechnet mit dem Soundtrack von Trent Reznor von der Industrial-Band Nine Inch Nails. Dementsprechend scheint Blomkvist im Schneegestöber der nordschwedischen Einöde in eine vordigitale, klar konturierte Vergangenheit samt kuscheliger Tigerkatze zurückzukehren.

Ganz in einer beklemmenden Gegenwart gefangen ist hingegen die Privatermittlerin Lisbeth Salander (herausragend: Rooney Mara). Die begabte Hackerin arbeitet mit dem Drive eines Spitzenprofis, ist aber verwirrend unterwürfig (oder durch ein Trauma gelähmt), sobald sie einem Cheftyp gegenübersteht. Das geht so weit, dass sie sich sexueller Gewalt ausliefert.

Erst als die 23-Jährige Blomkvist dabei helfen soll, einen lange zurückliegenden Mordfall in der Vanger-Familie aufzuklären, beginnen die Welten sich stärker zu durchdringen, Vergangenheit und Gegenwart, Rationalität und blutiger Horror. Blomkvist ist der rationale Faktensucher und Kombinierer. Salanders vielleicht noch schärferer Verstand wird von einer düsteren Intuition befeuert. Bis in die Haarfarbe (blond oder schwarz) und das Styling hinein, scheinen die beiden Hell und Dunkel zu symbolisieren.

Während die untereinander verfeindete Familie Vanger wie festgebannt auf ihrer Insel sitzt, sind es Salander und Blomkvist, die sich souverän zwischen Orten und Zeiten bewegen – bis der Serienmörder, den sie durch ihre Recherchen aufstören, leibhaftig in Aktion tritt. Dennoch bleibt er ein vorhersehbarer Sadist. Die Newcomerin Rooney Mara als Lisbeth Salander aber ist eine begnadete Grenzgängerin zwischen den Abgründen.

Mühelos überbietet sie die gefällige Persona von Bond-Darsteller Craig. Ihre Doppelgesichtigkeit (seit „Dr. Jekyll und Mr. Hyde“ meist männlich konnotiert), ihre Wandelbarkeit vom gequälten Opfer zur unbesiegbaren Rächerin, vom gruftigen Gothic-Look zur strengen Schönheit eines Engels der Erlösung, katapultiert David Finchers düsteres Remake weit über die schwedische Erstverfilmung hinaus.

Flashplayer benötigt.

Dorothee Hermann


Zuletzt Kommentiert

... Großartiger und wichtiger Film, der nicht in amerikanischen Gut-Böse Klischees "funktioniert" sondern differenziert und sachlich, aber mit viel Herz auf das Elend an unseren Grenzen zu den unverblümten Sklavenregionen dieser Welt aufmerksam macht, wo jede Stunde Menschen ihr Leben lassen, ertrinken, verdursten ...


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