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Der Gott des Gemetzels

In Romans Polanskis Bühnenstück-Verfilmung entgleist der Friedensgipfel zweier Ehepaare zum bitterbösen Scharmützel.

Carnage
Frankreich 2011

Regie: Roman Polanski
Mit: Jodie Foster, Kate Winslet, Matt Dillon, Christoph Waltz, John C. Reilly
80 Min. - ab 12 Jahren
TAGBLATT-Wertung
    Leser-Wertung
 

Ein Muß für alle, die die Erziehung eines Kindes mit einem Workshop zur Selbstverwirklichung verwechseln - zudem brillant gespielt!

 Das erste Gemetzel wird ruckzuck während des Vorspanns abgehandelt. Zwei elfjährige Jungs kriegen sich beim Spielen in die Wolle. Beim einen bleiben zwei abgebrochene Zähne und eine geschwollene Lippe zurück. Kurz darauf treffen sich die Eltern der Bengel zum klärenden Gespräch im Wohnzimmer des Opfers. Man will den Vorfall in bürgerlich zivilisiertem Einvernehmen bereinigen. Bühne frei fürs zweite Gemetzel!

Denn was als höfliche Konversation bei Kaffee und Kuchen beginnt, entartet schon bald zur verbalen Schlammschlacht, in der bei allen vier Beteiligten bislang unterm Teppich gehaltene Konflikte, Lebenslügen und Vorurteile an die Oberfläche drängen und dort – nicht zuletzt unter Alkoholeinfluss – explodieren.

Zunächst verläuft die Frontlinie zwischen den Ehepaaren (Jodie Foster und John C. Reilly versus Kate Winslet und Christoph Waltz), die für ihre Kids das beste herausschlagen wollen. Später bilden sich wechselnde Koalitionen der Geschlechter oder entlang weltanschaulicher Präferenzen. Antipoden bei letzterem sind – manchmal bis zur Karikatur verzerrt – die verbiestert moralisierende Idealistin Penelope (Foster), die gerade ein Buch über das Elend in Afrika schreibt, und der aalglatte, dabei nicht uncharmante Zyniker Alan (Waltz), der als Anwalt irgendwelche Schweinereien eines Pharmakonzerns deckt.

„Der Gott des Gemetzels“ ist ursprünglich ein Theaterstück der Französin Yasmina Reza, und der mittlerweile 78-jährige Regisseur Roman Polanski unternimmt wenig, um diese Herkunft zu verschleiern. Einziger Ort der Handlung ist eine gut bildungsbürgerlich eingerichtete New Yorker Wohnung; filmische Extravaganzen gibt es kaum. Auch die Möglichkeit, die Figuren psychologisch zu vertiefen, bleibt ungenutzt. Ihr Verhalten steht ganz im Dienst bühnengerechter Situationskomik (Anwalt Alan hängt ständig am Handy) und galligen Wortwitzes („Ich wisch mir den Arsch mit Ihren Menschenrechten“).

Bei aller schauspielerischen Klasse, die vor allem Christoph Waltz zu etlichen Kabinettstückchen nutzt, bleiben die vier Streithähne Stellvertreter der philosophischen These, dass die Bändigung barbarischer Urinstinkte durch den Prozess der Zivilisation jederzeit umkehrbar ist. Genial ist wiederum das Bild zum Abspann: Während die Eltern auf dem Schlachtfeld vor Erschöpfung zusammenbrechen, sind ihre Jungs längst wieder gute Kumpel.

Etwas theaterhaft geratener Wohnzimmerkrieg – aber auf welcher Bühne sieht man schon vier Weltstars.

Flashplayer benötigt.

Klaus-Peter Eichele


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... Großartiger und wichtiger Film, der nicht in amerikanischen Gut-Böse Klischees "funktioniert" sondern differenziert und sachlich, aber mit viel Herz auf das Elend an unseren Grenzen zu den unverblümten Sklavenregionen dieser Welt aufmerksam macht, wo jede Stunde Menschen ihr Leben lassen, ertrinken, verdursten ...


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